Archiv, Einblicke

Aus der Vergangenheit lernen

Heute haben Vanessa, Mareike, Janna und ich die Gesamtschule in Gelsenkirchen Ückendorf besucht. Ich habe bei Vanessa hospitiert, die mit Schüler*innen einer neunten Klasse die dramatischen, aber auch ermutigenden Geschichten von fünf Schoah-Überlebenden aufgearbeitet hat.

Für mich war es der erste Einsatz für HEIMATSUCHER und auch die seit Langem erste Rückkehr ins graue, aber dadurch nicht minder charmante Ruhrgebiet, wo ich für vier Jahre gelebt und studiert habe. Zunächst klärte Vanessa die Klasse über die Arbeit von HEIMATSUCHER auf und führte einige geschichtliche Hintergründe zur Schoah ein. Dann berichtete sie beispielhaft von Ellisheva Lehman, eine Lebensgeschichte, erschütternd und optimistisch zugleich. Die zwanzig Schüler*innen lauschten gespannt und arbeiteten im Anschluss anhand von Interviews die Lebensgeschichten vier weiterer Zeitzeug*innen auf.

Obwohl die 14- bis 16-jährigen Jugendlichen gerade aus einem Schüler*innenpraktikum wiederkamen und sich noch etwas schwer taten mit der Rückkehr in den Schulalltag, arbeiteten sie interessiert und konzentriert mit. Sie schrieben zum Abschluss des Besuchs sogar noch Briefe an die Überlebenden, in denen sie sowohl ihr Mitgefühl für das Geschehene als auch ihren großen Respekt für den Mut, die Standhaftigkeit und die immer noch positive Lebenseinstellung der Zeitzeug*innen zum Ausdruck brachten.

Besonders beeindruckt hat mich die Transferleistung der Schüler*innen von den Geschichten zu Verfolgung und Flucht der jüdischen Menschen im zweiten Weltkrieg auf ihre eigene Gegenwart und aktuelle Probleme. So kam beispielsweise der Umgang mit Flüchtlingen zur Sprache. Eine Schülerin resümierte, dass wir heute den Flüchtlingen, die vor ihrem Schicksal in unser Land fliehen, nicht ablehnend gegenüberstehen dürfen und versuchen sollten, zu helfen. Ein gelungenes Fazit eines gelungenen Vormittags. Ich freue mich auf viele weitere spannende Schulbesuche für HEIMATSUCHER und die Möglichkeit, zusammen mit Kindern und Jugendlichen aus der Vergangenheit zu lernen.

Johanna Geuecke