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Chava Wolf

Aus Bukowina vertrieben, erlebte Chava Wolf in den Lagern von Transnistrien Dinge, über die sie 60 Jahre lang nicht sprechen konnte und denen sie auch heute nur mit Hilfe von Farben und Gedichten Ausdruck verleihen kann. Ihrer Kindheit für immer beraubt, kam sie 1947 ganz alleine nach Israel um das Erlebte zu vergessen und selbst eine Familie aufzubauen – ihr persönlicher Sieg über den Schrecken von Transnistrien. Doch wem sie erzählt, welche Geschichten hinter den bunt-naiven Bildern stehen, der spürt sofort, wie präsent ihre Vergangenheit noch heute in ihrer Gegenwart ist.

 

My eyes are tearing
A drop falls
Holding pain within Bodies, bodies
Packed on carts
Appear before my eyes
A child looks on and cries. People, children

Are no more
Images, images Horror to behold
To shout, to be silent? Should I tell?

And I cry
Still shedding tears,
Every day
Every hour
Over a vanished childhood.

geboren 1932 in Rumänien, lebt heute in Tel Aviv

 

Unser Tag mit Chava Wolf begann richtig fröhlich mit Couscous, den sie für uns kochte, und kleinen Schokoladenkeksen zum Nachtisch. Wieder wurden wir voller Gastfreundschaft aufgenommen, so dass schnell eine entspannte Stimmung aufkam. Doch direkt mit unserer ersten Frage wurde uns bewusst, wie viel Schmerz ihr Leben seit dem Krieg begleitet und wie präsent Ängste in ihrem Alltag sind.

Dennoch, oder gerade deswegen, wollte sie unbedingt von ihren Erlebnissen erzählen. Sie hat das Gefühl, dass viele Menschen ihre Geschichte gar nicht hören wollen und uns überkommt fast ein beklemmendes Schuldgefühl.

In Chavas kleiner Wohnung im zweiten Stock kann man in vielen Räumen ihre Werke als Malerin bewundern. Doch die naiv-bunt wirkenden Bilder bekamen im Kontext ihrer Geschichte eine ganz andere, dunklere Bedeutung für uns. Denn die Farben und Gedichte helfen der Überlebenden, dem Erlebten Ausdruck zu verleihen. Chava erzählt uns, dass sämtliche Gespräche mit den Psychologen ihr längst nicht so viel geholfen hätten, ihre Vergangenheit zu verarbeiten, wie ihre Kunst und Lyrik.

Auf unserer Suche nach einer passenden Umgebung für das Portrait ist uns ihr Schlafzimmer ins Auge gefallen. Alle Wände sind mit Bildern ihrer Familie bedeckt, in der Ecke steht die Porzelanpuppe, mit der sie sich mit 70 Jahren ein Stück ihrer Kindheit zurückkaufte. Es scheint, als würde Chava hier alles persönlich Wertvolle wie einen Schatz bewahren. Inmitten dieser Zeugen ihres neuen Lebens haben wir sie auf eine Weise fotografiert, die sie in leichte Schatten hüllt – Ängste, die sie begleiten.

Chava möchte vor allen Dingen gehört werden. Ihre Gedichte und Bilder sind Rufe nach Menschen, die sie wahrnehmen. Es ist erschütternd, dass jemand, der Jahre seines Lebens und die Sorglosigkeit der Jugend verloren hat, keine Unterstützung bekommt und in solch einfachen Verhältnissen leben muss.

An der Tür begegnen wir noch kurz ihrem Mann. Fast bittend verabschiedet sie uns mit den Worten: »Das ist mein Mann. Auch er war im KZ. Vergesst nie unsere Geschichte.«

Das werden wir auch nicht. Wir könnten es gar nicht.

» Hineinlauschen
» Fragen? Schreib Chavas Zweitzeugin Anna.