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Ehrenamtswochende auf dem Pützerhof

Die beiden HEIMATSUCHER Ehrenamtlerinnen Svenja und Ann-Kathrin über ihr erstes HEIMATSUCHER Ehrenamtswochenende in einem Zwiegespräch.

Svenja: Ann-Kathrin, welche Erwartungen hattest Du an das HEIMATSUCHER-Wochenende?

Ann-Kathrin: Als ich vor ungefähr einem Jahr bei HEIMATSUCHER anfing, war das HEIMATSUCHER-Wochenende Thema einer der ersten Ehrenamts-Infos, die ich las. Damals schon wollte ich unbedingt an dem nächsten Wochenende teilnehmen! Nach diesem Jahr nun, in dem wir in unserem Team (Interviews) die ersten Aufgaben gemeinsam geschafft hatten, uns außer bei einer Telko aber nicht gesehen hatten, kam ich mir wie bei einem Gruppen-Blinddate vor! Dementsprechend war ich vor dem Wochenende aufgeregt, habe mich aber gleichzeitig sehr darauf gefreut, mein Team und all die anderem HEIMATSUCHER kennenzulernen, denn, daran, dass wir uns gut verstehen würden, hatte ich keinen Zweifel!

Svenja: Ja, da ging es mir ähnlich. Ich bin seit einem halben Jahr dabei und kannte, außer über Mailkontakt, wirklich noch niemanden und war entsprechend auch aufgeregt! Für mich war es die Möglichkeit, endlich mal Gesichter zu den Namen zu kennen und natürlich auch die Personen im „real life“ kennenzulernen. Ich wurde dann von Anfang an so gut aufgenommen und habe wirklich noch nie so viele unglaublich herzliche, offene und liebenswürdige Menschen auf einen Schlag kennengelernt!

Da hat die Vorstellungsrunde am ersten Abend natürlich total geholfen und ich habe festgestellt, dass wir alle in viel diverseren Berufen arbeiten oder sie anstreben, als ich anfangs vermutet hatte.

Ann-Kathrin: Ja, das war super spannend: Es gab einen regen Austausch darüber, woher man kommt und wie man zu HEIMATSUCHER kam. Ich habe dabei (mit Freude!) festgestellt, dass wir nicht nur ein gemeinsames Thema teilen, sondern, dass einige von uns auch eine ähnliche Ausbildung durchlaufen bzw. durchlaufen haben. Es gibt also einiges, das uns verbindet und das finde ich sehr, sehr schön!

Schön fand ich auch den Film „Auf gute Nachbarschaft“, den wir danach angeschaut haben. Ich weiß nicht, wie es Dir ging, aber bei mir hat er einige Emotionen geweckt und dann kann man von einem Film, glaube ich, behaupten, dass er gelungen ist! Es war das erste Mal, dass ich zwei von unseren Zeitzeugen in einem Film gesehen habe und das ist wirklich noch mal etwas ganz anderes als ihre Interviews zu lesen. Mir hat es näher gebracht, warum wir tun, was wir tun und was es für die Zeitzeugen bedeutet…

Svenja: Ja, der Film hat mich auch sehr berührt. Ich fand ihn sowohl technisch gut gemacht als auch inhaltlich wunderschön. Die beiden Herren waren einfach richtige Marken und ich musste häufig schmunzeln über ihre Aussagen. Besonders hängengeblieben ist bei mir die Tatsache, dass Widerstand auch im Kleinsten vonstattenging – das finde ich eine wichtige Erkenntnis für alle! Das Ende des Films hat mich sogar zum Weinen gebracht, da die beiden Herren leider nicht mehr leben und ich weiß, wie bedeutsam es ist, die Geschichten der älteren Generation aufzuzeichnen und wie wenig Zeit uns dafür nur bleibt.

Im Anschluss an den Film ist ja auch eine sehr offene und emotionale Gesprächsrunde entstanden, in der über den Film als Beitrag zur Bildungsarbeit und unsere Arbeit mit Zeitzeug*innen im Allgemeinen gesprochen wurde. Durch diese Gesprächsrunde habe ich mich noch mehr als Teil eines Teams gefühlt und empfand es als mit den schönsten Moment des ganzen Wochenendes.

Von welchen Programmpunkten hast Du denn am meisten mitgenommen?

Ann-Kathrin: Für mich waren das vor allem die Punkte „Zeitzeug*innen-Gespräche“ und „Zeitzeug*innenarbeit“ am Samstag.

Gruppenfoto bei einem Spaziergang

Gruppenfoto bei einem Spaziergang

Den ersten fand ich sehr informativ, weil er zunächst eine wissenschaftliche Herangehensweise, zum Beispiel an Erinnerungskultur, hatte. Dann fand ich ihn aber auch sehr unterstützend dabei, ein Verständnis zu entwickeln, was unser Konzept ist bei den Gesprächen, die wir mit den Zeitzeugen führen. Dass es um Begegnung geht, darum, Zeuge einer Lebensgeschichte zu werden und dieses Zeugnis weiterzugeben. Darum, dass wir zwar einen sehr verantwortungsvollen, aber vor allem sehr wertvollen Beitrag leisten können. Und dass das manchmal Angst macht…

Den zweiten, „Zeitzeug*innenarbeit“, weil durch diesen Vortrag klar geworden ist, dass dies das Herzstück unserer Arbeit ist..!

Svenja: Samstag hatten wir ja einige Programmpunkte auf dem Plan, unter anderem auch Workshops, in denen wir zusammen an kleinen Projekten für den Verein gearbeitet haben, was mir sehr viel Spaß gemacht hat. Ein Programmpunkt war auch „Neues aus dem Vorstand“.

Ann-Kathrin: Genau. Ich fand es spannend zu erfahren, wie alles anfing mit HEIMATSUCHER. Den Namen Gesichter zuordnen zu können, zu hören, welche Bande sie verbinden… Und dann auch noch mal vermittelt zu bekommen, wofür unser Verein steht und welche Ziele er sich setzt.

Svenja: Das war für mich auch sehr informativ! Ich muss gestehen, die Entstehungsgeschichte habe ich an dem Wochenende zum ersten Mal gehört. Ich finde es stark, wie aus einer kleinen Idee einzelner Menschen so ein starkes und bedeutsames Projekt entstehen kann und ich freue mich, jetzt ein kleiner Teil dessen sein zu können.

Ann-Kathrin: Ich mich auch! Mit dem HEIMATSUCHER Wochenende verbinde ich viel lachen vor allem! Spaß haben, Quatsch und Spiele machen,… Kurze Nächte und gutes Essen!
Ich nehme auch vieles mit aus dem Wochenende. Am Ende lag eine To-Do-Liste vor mir: Darin Orte, die ich eines Tages besichtigen will, Ansprechpartner für die unterschiedlichsten Anliegen, Anregungen für meine weitere Arbeit. Und vor allem steht für mich auch die Frage: Wie will ich mich weiter und mehr einbringen?

Svenja: Bei mir sieht es genauso aus. Die Abgelegenheit des Bauernhofs war für das Gemeinschaftsgefühl ideal. Für mich war es ein Wochenende der Ruhe; gleichzeitig war es total aufregend, lustig, emotional, lehrreich und alles in allem viel zu kurz! Ich freue mich jetzt schon riesig auf das nächste Wochenende und obwohl ich von Anfang an begeistert dabei war, bin ich jetzt wirklich mit Herzblut bei HEIMATSUCHER dabei!