Aktuelles, Startseite

Ein Tag in der Budge-Stiftung

Am Freitag, den 10.02.2017  ging es für uns nach Frankfurt in die Budge-Stiftung, denn dort leben gleich mehrere Zeitzeug*innen, die wir in der Vergangenheit interviewt haben. Morgens gingen Marina und Ruth zu Frau Gerda Rosenthal, die sich sehr über unseren Besuch und die Blumen freute und uns gleich zu ihrem kurz bevorstehenden 100. Geburtstag einlud. Gemeinsam schwelgten wir in Erinnerungen, tauschten uns über die Wuppertaler Schwebebahn und Brownies-Rezepte aus.

Mittags trafen wir den Rabbiner der Budge-Stiftung, Andrew Steiman. Rabbi Steiman begrüßte in der Kantine die Bewohner*innen in persönlicher und herzlicher Weise. Wir waren sehr beeindruckt von der individuellen Ansprache und der einfühlenden Art und wie er mit vielen Bewohnern*innen sprach. Wir genossen es sehr mit ihm den Mittag und das Mittagessen zu genießen und uns über HEIMATSUCHER e.V. zu unterhalten. Netterweise gesellte sich auch noch Herr Silbermann hinzu, der als Kind vor dem Nationalsozialismus ins Exil fliehen konnte.

Zeitzeugengespräch Anja Sigesmund / Eberhard PulednikNachmittags besuchten Anja, Rebecca und Steven Herrn Polednik. Eberhard Polednik wohnt seit vielen Jahren in der Budge-Stiftung und kümmert sich außerordentlich um seine Mitbewohner*innen. Er war ein enger Freund von Siegmund Pluznik. Seine Empathie, Mitmenschlichkeit, sein Humor und sein Strahlen haben uns mitgerissen. Er hat den »Schalk im Nacken« und »das Herz am richtigen Fleck«. Herr Polednik erzählte uns von seinen Erlebnissen während des Krieges und davon dass seine neue Nachbarin Trude Simonsohn ist.

Besuch bei Herrn Pulednik

Besuch bei Herrn Pulednik

Ruth Barnett berichtete nachmittags im Forum der Budge-Stiftung von ihrer Geschichte, davon wie sie den Kindertransport nach Großbritannien erlebte. Viele Bewohner*innen der Budge-Stiftung, aber auch Interessierte aus dem Rhein-Main Gebiet, sowie wir vom HEIMATSUCHER e.V. durften ihrer Geschichte lauschen. Es folgte eine engagierte Diskussion, die den Zeitrahmen überschritt – ein Zeichen für große Anteilnahme und Interesse.

Ruach

Zum krönenden Abschluss eines Tages voller herzlicher Begegnungen durften wir am Shabbat Gottesdienst und dem anschließenden Abendessen teilnehmen. Unser herzlicher Dank gilt Andrew Steiman, dem Rabbi der Budge-Stiftung. Er knüpfte ein Band für die Bewohner*innen, für die ehemaligen und verstorbenen Bewohner Siegmund Pluznik und Carlo Lietz, an Ruth Barnett und an uns. Für viele von uns war es der erste Shabbat. 72 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus ist es schön zu sehen, dass Jüd*innen, Christ*innen und nicht-Gläubige gemeinsam feiern können.

All das wäre ohne die Unterstützung von Ute und Manfred Fischer nicht möglich gewesen. Sie haben die Termine vereinbart, gegengecheckt und uns den Kontakt zu Andrew Steiman und zu Herrn Silbermann ermöglicht. Ein herzlicher Dank!!!