Aktuelles, Allgemein

Ein Blick auf das Jahr 2017

Liebe HEIMATSUCHER-Freund*innen,
am 16. Februar war es wieder soweit: Wir durften unsere Mitglieder zur großen Hauptversammlung einladen und berichten, was wir im letzten Jahr gemacht haben. Ich kann vorweg greifen: Wow! Natürlich möchten wir Dir die spannenden Zahlen und berührenden Momente nicht vorenthalten – also viel Spaß beim Lesen:

Ein Jahr des Wachsens
Wir blicken zurück auf ein Jahr 2017, in dem wir vor allem wachsen und lernen durften. Wachsen an uns und an den Herausforderungen der Zeit: Donald Trump wird Präsident der USA, mehrere Länder Europas rücken ein Stück nach Rechts und auch bei der Wahl in Deutschland zieht zum ersten Mal nach 1945 wieder eine rechte Partei in den Bundestag ein.
Auf diese Ereignisse blicken wir von HEIMATSUCHER mit Besorgnis, doch immer wieder auch mit neuem Mut und dem Willen, etwas zu verändern. Durch die bewegenden Begegnungen mit unseren Zeitzeug*innen, durch Gespräche mit Schüler*innen und deren wunderbaren Briefen und durch unsere tatkräftigen Ehrenamtlichen erhalten wir immer wieder neue Kraft und die Bestätigung, dass unsere Arbeit Rassismus entgegenwirkt. Wir stärken junge Menschen bewusst für Demokratie und geben Ihnen die Möglichkeit aktiv an der Gesellschaft mitzuwirken. Darauf sind wir auch 2017 sehr stolz.

Illustrationen von Eva Künzel (www.evakuenzel.de)

Begonnen haben wir das Jahr mit knapp 80 Ehrenamtlichen, neu geschaffenen Strukturen und einer ersten Vollzeitstelle. Kurze Zeit später kam ein Minijob dazu, so dass wir zum ersten Mal mit einer hauptamtlichen Struktur arbeiten konnten. Dabei haben wir gelernt, wie Fundraising professionell funktionieren kann und sind vor allem an Stiftungen herangetreten. Die Früchte davon ernten wir 2018.

Illustrationen von Eva Künzel (www.evakuenzel.de)

Zahlen 2017
Durch dieses Wachstum und die Zusammenarbeit aller ehrenamtlichen Helfer*innen konnten wir im letzten Jahr 1.531 Schüler*innen erreichen, 740 Briefe an Überlebende senden und die ersten drei Zweitzeugen-Schulen als Kooperationspartner begrüßen. Wir konnten unsere Konzepte und Kalkulationen anhand unserer bisherigen Erfahrungen überarbeiten, drei neue Zeitzeug*innen – sogar in Schweden – treffen, drei grandiose Ausstellungen durchführen und zwei neue Magazine veröffentlichen. Wir haben einen ganz neuen Bereich Wissenschaftsarbeit aufgebaut und konnten dabei die Qualität und Quantität unserer Kommunikation auf allen modernen Kanäle halten bzw. ausbauen.
Auch unser Team ist stark gewachsen – auf 115 Ehrenamtliche – und mit jedem*r neuen Ehrenamtlichen steigt die Qualität unserer Arbeit. Dabei haben wir neuen Ehrenamtlichen die Möglichkeit gegeben, einen Platz bei HEIMATSUCHER zu finden und den Verein mit zu formen.
Eine besondere Ehrung bekamen wir im Herbst durch die jüdische Gemeinde in Düsseldorf. Voller Stolz durften wir die Josef-Neuberger-Medaille entgegennehmen, die außerordentliches Engagement nicht-jüdischer Menschen im jüdischen Interesse auszeichnet. Und zu guter Letzt wurden wir Ende November mit einem Preisgeld von 25.000 € des Wirkungsfonds 2017 von Social Impact und der Deutschen Bank geehrt.

Danke!
Uns ist beim Rückblick klar geworden, dass 2017 ein Jahr der Weichenstellung war. Wir haben viel Zeit in die Struktur und in unser Wachstum gesteckt 
und an den richtigen Stellen neue Partner*innen und Freunde gewonnen. So konnten wir viel dazulernen und effizienter arbeiten.

Bleibt zum Abschluss noch »Danke« zu sagen: Danke an all unsere Ehrenamtlichen, die mit vollem Herzen und Tatkraft an so vielen Stellen helfen. Danke an unsere Mitglieder, die uns ideell und mit Rat und Tat zur Seite stehen. Danke an unsere Unterstützer*innen und Partner*innen, die an uns glauben und kritische Fragen stellen. Danke an alle, die auch 2018 an unserer Seite sind.

Deine Sarah Hüttenberend, Ruth-Anne Damm, Katharina Spirawski und Manfred Müller – im Namen aller Ehrenamtlichen



HEIMATSUCHER-Momente unserer Ehrenamtlichen 2017

Unsere Ehrenamtlichen ermöglichen und formen die Arbeit unseres Vereins. Was aber bleibt ihnen von diesem Jahr eigentlich im Kopf oder im Herzen? Wir haben nachgefragt:

Ruth

»Mein absoluter HEIMATSUCHER-Moment war das Wochenende mit meinem Team «Interne Entwicklung» in Köln. Endlich habe ich einen Teil meines Teams persönlich kennengel ernt und wir konnten gemeinsam klare Aufgabenbereiche und Ziele formulieren. Ich freue mich schon auf die gemeinsame Arbeit in 2018!«

Charlotte

»Mein persönliches Heimatsucher-Highlight war es, mein erstes Zweitzeugen-Schulprojekt in Köln durchzuführen. Davor war ich sehr aufgeregt, aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht, weil die Schüler*innen sehr engagiert und mitfühlend waren. Und sie haben so wunderbare Briefe geschrieben!«

Andrea

»Mein HEIMATSUCHER-Moment 2017 war das Zeitzeugeninterview mit Dr. Leon Weintraub in Stockholm. Es war mein erstes Zeitzeugeninterview und dementsprechend war ich sehr aufgeregt. Diese Aufregung legte sich aber, da der Besuch bei Leon und seiner Frau, Evamaria, sehr angenehm und freundlich war. Leon erzählte uns auf beeindruckende Weise, wie er den Holocaust überlebt hat und wie das Leben nach den schrecklichen Erlebnissen in vier Konzentrationslagern für ihn weiterging. Nicht nur hat Leon uns an seiner Lebensgeschichte teilhaben lassen, er und Evamaria haben uns so herzlich aufgenommen und empfangen, dass dieses mich fast genauso gerührt hat wie das Interview. Dass jemand, der so viel Schreckliches erlebt hat, in der Lage ist, so viel Liebe und Zufriedenheit auszustrahlen, ist für mich bemerkenswert. Ich werde die Zeit in Stockholm mit Evamaria und Leon niemals vergessen.«

Steven

Mein HEIMATSUCHER-Moment 2017 war die Beerdigung von Wolfgang Lauinger im Dezember. Es war eine Freude diesen tollen Mann kennengelernt zu haben und dass er uns sein Vertrauen geschenkt hat. Es war eine große Ehre, ihm im Beisein seiner Familie und engsten Freunde auf einer traditionellen jüdischen Zeremonie die letzte Ehre zu erweisen und sein Leben zu feiern.«

Janika

»Mein HEIMATSUCHER-Moment 2017 war, dass ich mit Matthias, Ruth und Andrea nach Stockholm fliegen durfte und die Ehre und sehr große Freude hatte, Leon Weintraub und seine Frau, Evamaria, kennenzulernen und Leon zu interviewen. Die Bekanntschaft dieses unglaublich klugen, lustigen und herzlichen Ehepaars ist definitiv mein HEIMATSUCHER-Moment 2017.«

Franziska

»Mein schönster Heimatsucher-Moment im Jahre 2017 war, als ich während meines Work & Travel-Aufenthaltes in Kanada, Interviews Korrektur gelesen habe. Dort wurde mir bewusst, dass ich immer ein Teil von Heimatsucher sein werde, egal, wo ich auf der Welt gerade rumreise.«

Ksenia

»Mein besonderer Heimatsucher-Moment 2017 war definitiv das Schulprojekt in drei vierten Klassen in Moers. Es war mein erstes Projekt in der vierten Jahrgangsstufe und ich war vorher sehr nervös. Aber ich habe durch dieses Schulprojekt sehr viel Zuversicht bekommen: Der Gedanke, dass man auf behutsame Art und Weise bereits Kinder in diesem Alter zu Achtsamkeit gegenüber Ungerechtigkeiten, Mobbing, vor allem aber auch gegenüber Rassismus und Antisemitismus, erziehen kann und auch, dass es Kinder sind, die in Zukunft eine neue Art der Erinnerungskultur beleben und etablieren können. Das macht sehr viel Mut, genauso weiterzumachen!«