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Schulprojekt an Moerser Grundschule

Moerser Grundschule

Am 11. und 12. Dezember 2017 hatte ich, Ksenia, die Möglichkeit für Heimatsucher mal wieder weit zu reisen und ganz viele neue Erfahrungen zusammen. Denn wirklich neu war für mich das Schulprojekt in einer 4. Klasse einer Moerser Grundschule. Bisher war ich vor allem in 9. und 10. Klassen und konnte bereits gefestigteres Wissen über den Nationalsozialismus voraussetzen. Deswegen war ich bei meiner Anreise und bei der Vorbereitung besonders aufgeregt und habe mir wahnsinnig viele Gedanken gemacht.

Wie geht man mit schwierigeren Fragen der Kinder um? Wie kann ich ganz besonders in diesem Fall sehr sensible Sprache benutzen, um die Kinder behutsam an die Ungerechtigkeiten der antijüdischen Gesetze und an die Schreckenszeit des Nationalsozialismus heranzuführen?

Viele Gespräche mit Charlotte, auch Multiplikatorin bei HEIMATSUCHER, nahmen mir zumindest die Nervosität. Vor allem waren es aber die Kinder, die mich überrascht haben. Sie hatten unglaublich viel zu erzählen und hatten sehr viele spannende Fragen. Gleichzeitig hatten sie ein Vorwissen, was ich 9- und 10-jährigen Schüler*innen ehrlicherweise nicht zugetraut hatte.

Viele Kinder kannten Widerstandsgruppen, wussten viele Dinge über die Judenverfolgung und konnten vor allem bei der Lebensgeschichte von Elisheva mitfühlen und mitdenken und horchten ganz besonnen, als ich ihre Lebensgeschichte erzählte.

Ich muss zugeben, dass ich bis dato große Skepsis hatte, das Thema Schreckensherrschaft im Nationalsozialismus, bereits ab der 4. Klasse zu vermitteln. Werden die Kinder nicht traumatisiert? Können die Kinder überhaupt etwas mit dem Thema anfangen, ist es für sie relevant? Berühren die (Über)- Lebensgeschichten überhaupt die Lebenswelten 9- und  10-Jähriger?

Moerser Grundschule

Ich war überrascht, denn die Kinder schrieben berührende Briefe an Elisheva und protestierten auch unglaublich gegen die Ungerechtigkeiten, die den Überlebenden des Holocausts und Millionen anderer Menschen wiederfahren sind.

Ich fahre mit unheimlicher Zuversicht zurück nach Hause: Vor allem mit dem Gedanken, dass man auf eine behutsame und umsichtige Art und Weise bereits Kinder zu Achtsamkeit gegenüber Ungerechtigkeiten, Mobbing, aber auch Rassismus und Antisemitismus erziehen kann und mit ihnen gemeinsam eine neue Art der Erinnerungskultur beleben kann.

»Liebe Eli, […] ich habe deine Geschichte gehört, wie du den Krieg überlebt hast. Ich finde es nicht gut, wie man Juden behandelt. Ich finde es ein Abenteuer aber auch sehr gefährlich sich mitten im Krieg sich zu verstecken.«

Ksenia Eroshina, Team Bildung und Team Wissenschaft