Allgemein

Erinnerungen an unseren Freund Siegmund Pluznik

»Siegmund Pluznik war ein großer, mutiger Mann. Ein Mann, der als Widerstandskämpfer während der Schoah viel durchmachen musste und ein Mann, der daraus viel gelernt hat für sein Leben. Er war ein Zeitzeuge mit bewegender Geschichte, aber er war auch mein Freund. Und als solcher wird er mir schmerzlich fehlen.

Vor drei Jahren sah ich ihn in einer Dokumentation im ZDF und nahm sofort Kontakt zu ihm auf. Seitdem haben wir ihn oft besucht, seine Geschichte gehört, mit ihm gelacht und geweint und uns im selben Ziel verbündet. Siegmund Pluznik war es wichtig, dass die Zeit der Schoah nie vergessen wird. Für seine ermordete Familie, für all die Freunde, die er verlor. Daran hat er hart und viel gearbeitet und diesem Wunsch möchten wir nun nachkommen. Ich selbst werde ihn niemals vergessen und ich werde seine Geschichte mit unserem Verein in Schulen und vor Menschen erzählen und ihn so nicht verstummen lassen.

Die kurze Zeit, die ich mit Siegmund hatte war eine Bereicherung für mich und mein Leben. Er war ein Vorbild für mich, ein kluger Mann, der immer die richtigen Worte fand und mit dem ich über alles sprechen konnte. Er hinterlässt eine große Lücke, aber ich – wir alle – werden in seinem Sinne weiter arbeiten. Dazu hat er uns alle inspiriert und motiviert.

Danke Siegmund. Du wirst fehlen! Deine Katharina«

Gedanken von Anja zu Siegmund Pluznik:

»Ich habe ihn einmal nach seinen Freunden gefragt, insbesondere nach der Gruppe, mit der er geflüchtet ist, und zu wem er noch Kontakt hat. Er sagte, dass alle entweder verstorben sind oder geistig verwirrt. Als er das sagte, dachte ich »Welch blöde Frage von mir!« und ich war gleichzeitig sehr traurig und musste fast weinen, weil er ohne seine alten Freunde war. Er war sehr empathisch und hat mich getröstet: »So ist das Leben.«, sagte er. Und das war nicht so daher gesagt, sondern es hatte eine so tiefe Wahrheit und war ohne Bitterkeit. Dieser Satz gibt mir Kraft – denn »So ist das Leben.« Das denke ich seitdem oft und wie er das gesagt hat, war es ein sehr tröstendes, hoffnungsvolles und lebensbejahendes Statement.

Ich bin ca. so alt wie seine Tochter Dani, er hat Verknüpfungen hergestellt, vielleicht hat er mir deshalb so viel von ihr erzählt, dass sie Ärztin ist und nun auch im öffentlichen Dienst arbeitet, wie ich, und das ist nur eines von sehr vielen Beispielen. Er hat Parallelen gefunden zwischen seinen Lieben und der Person mit der er gerade spricht. Er wollte es dann aber auch immer ganz genau wissen: »Wie sind die Vorteile, wenn man im öffentlichen Dienst arbeitet?« Der Informationssammler 😉

Er hat so liebevoll von seiner Familie gesprochen. Über seine Kinder und seine Enkelchen. So voller Liebe und Stolz, wobei Stolz bei ihm nur das Positive von Stolz beinhaltete.

Auch das Schicksal war ein Thema. Er erzählte, wie er einen Schlaganfall hatte und er gerade noch die Anruftaste drücken konnte, die ihn mit dem Telefonanschluss seines Sohnes verband. Eigentlich arbeitet sein Sohn sehr viel und ist nachmittags nie zu Hause. An diesem Tag aber war Michael zuhause und ist ans Telefon gegangen. Eigentlich hätten die Enkelchen ans Telefon gehen können oder der Anrufbeantworter wäre angegangen – aber Michael war am Apparat. Herr Pluznik konnte nicht reden, er hat nur »gestammelt«, wäre der AB angegangen oder jemand außer seinem Sohn ans Telefon – wäre der Ernst der Lage vielleicht nicht erkannt worden. Doch es war Michael und er hat sofort den Notdienst zu seinem Vater geschickt und ist auch losgefahren.

Genauso war es Schicksal, dass Siegmund die Jugendgruppe gewechselt hat, weil er sich verliebt hatte. Das hat ihm damals das Leben gerettet, für diesen Moment.

Ich empfand Siegmund Pluznik als sehr geradlinig, ehrenhaft (im positiven Sinne), ein Gentleman, ehrlich, authentisch, absolut intellektuell und liebevoll in Bezug auf seine Familie. Seine Überzeugungen hat er zu 100% vertreten, er hat gerne gestritten. Stichpunkt Debattierclub. Ich habe gestern auf Facebook geschrieben, dass er in meinem Herzen weiterleben wird. Klingt kitschig, aber ich erweitere es dennoch. Er wird in meinem Herzen, in meinen Gedanken und in meinem Tun weiterleben. Ich bin so glücklich, dass ich ihn kennenlernen konnte.«