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Erna de Vries

Erna de Vries kommt am 21. Oktober 1923 in Kaiserslautern zur Welt. Sie ist das einzige Kind von Jaco Korn und seiner Frau Jeanette und verlebt eine ungetrübte und schönen Kindheit. Doch im jungen Alter von 16 Jahren wird sie zusammen mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert. Sie überlebt die Grauen des Konzentrationslagers wie durch ein Wunder. Heute besucht Erna de Vries Schulen, um jungen Deutschen ihre Geschichte zu erzählen. Es ist der Auftrag ihrer Mutter, den sie verfolgt: »Du wirst überleben, und dann wirst du erzählen, was man mit uns gemacht hat.«

 

»Das Schweigen bringt die Menschen einander auch nicht näher. Ich finde man sollte versuchen, aufeinander zuzugehen und wenn man einen Menschen anguckt und das ist ein Deutscher oder ein Farbiger oder sonst noch was und das ist ein anständiger und guter Mensch. Was kann ich denn dagegen haben?«

geboren 1923 in Kaiserslautern, lebt heute in Lathen

 

Ein geradezu unbehagliches Gefühl durchdringt mich, nun nicht mehr durch das aufwühlende, fremde Israel zu laufen, um unsere nächste Interviewpartnerin zu besuchen, sondern nach nur einer knappen Stunde Autofahrt in das verschlafene Lathen einzufahren. Plötzlich wird die unmittelbare Nähe zum Schauplatz der Schoah spürbar.

Bestückt mit frischen Nussecken treten wir in ein gepflegtes Familienhaus einer tapferen Frau, die sich bewusst entschieden hatte, nach den grausamen Erlebnissen in mehreren deutschen KZs, in Deutschland zu bleiben. Spontan ist unser Treffen größer geworden, als wir es zunächst geplant hatten. Nicht nur wir hatten zwei Gäste mitgebracht, auch Erna hatte ihre Tochter und eine Enkelin aus Israel zu Besuch. So saßen wir mit drei Generationen um einen großen Tisch, stellten Fragen, lauschten und diskutierten zwischen den Kulturen und Generationen.

Erna selbst empfängt uns mit offenen Armen, so dass wir keine Scheu haben, all die Fragen zu stellen, die uns interessieren. Tatsächlich, so sagt sie uns, werde sie eigentlich kaum von ihrer Umgebung auf ihre Vergangenheit angesprochen. Was schade sei, denn sie selbst habe nicht mehr die Kraft, auf fremde Menschen zuzugehen. Auf Einladungen hin besucht sie besonders gerne Schulen, überhaupt habe sie fast noch nie eine Anfrage abgelehnt, nur ein Mal, als sie wirklich krank war.

Aus unserer Begegnung wissen wir nur zu gut, dass es Überwindung kostet, einer Überlebenden persönliche Fragen zu ihrer Vergangenheit zu stellen. Aber noch eindrücklicher haben wir erfahren, dass, wenn man sich traut diese Barriere zu überwinden, eine ganz besondere Begegnung entstehen kann.

» Fragen? Schreib Ernas Zweitzeugin Kathi.