FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wieso heißt der Verein HEIMATSUCHER? Wo liegt der Unterschied zwischen den Begriffen Holocaust und Shoah? Wie ist der Verein entstanden? Diese und ähnliche Fragen beantworten wir hier. Ihr habt noch eine Frage auf dem Herzen, die hier nicht beantwortet ist? Dann schreibt einfach eine E-Mail an s.hensel@heimatsucher.de

Wie ist HEIMATSUCHER entstanden?

2010 als Studienprojekt entstanden, ist HEIMATSUCHER seit Februar 2014 ein eingetragener Verein. Vor allem aber verbirgt sich dahinter ein Zweitzeugenprojekt. Über die persönlichen interviewErzählungen von Schoah-Überlebenden macht der Verein Geschichte nachfühlbar und begreifbarer. Insbesondere junge Menschen verstehen die Bedeutung von Geschichte für ihr eigenes Leben erst durch die Begegnung mit einem Zeitzeugen. Doch Zeitzeugen werden nicht mehr lange sprechen können. Damit sie künftig nicht verstummen, erzählen die Vereinsmitglieder als Zweitzeugen ihre Geschichten über das Leben vor, während und nach dem Holocaust in 
Ausstellungen und Schulklassen weiter.

filmSeither haben wir 25 Überlebende interviewt, von denen 13 Überlebensgeschichten auf unserer Webseite und 3 als Magazine veröffentlicht wurden, und 1 Film über die besondere Freundschaft zwischen Siegmund Pluznik, Schoah-Überlebender, und Carlo Lietz, ehemaliger Wehrmachtssoldat und Deserteur, gedreht. Wir haben unsere Wanderausstellung an verschiedensten Orten präsentiert, unter anderem im Landtag NRW und im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten, und 1 Ausstellungskatalog publiziert.

 

 

Warum heißt HEIMATSUCHER eigentlich HEIMATSUCHER?

Als Sarah und Anna aus Israel zurück kamen und sich Gedanken darüber machten, wie man aus all den Eindrücken und Fotos eine Ausstellung machen könnte, suchten Sie ein gemeinsames Motiv, das alle Geschichten vereinen könnte. Bei so unterschiedlichen Erfahrungen, wie sie die Überlebenden machten, keine leichte Aufgabe. Doch sie bemerkten, dass es die Erfahrung des Verlustes eines Zu-Hauses war – das Gefühl alles verloren zu haben und neu anfangen zu müssen – dass die Menschen in der Ausstellung vereinen konnte. Sie alle suchten eine neue Heimat nach der Schoah.

 

Wie kann ich HEIMATSUCHER unterstützen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten:

  1. Du kannst unseren Verein als Förderndes Mitglied oder als Ordentliches Mitglied unterstützen.

    Der Mindestmitgliedsbeitrag für Erwachsene liegt bei 30,00 € im Jahr / 2,50 € im Monat.

    Ordentliche Mitgliedschaft
    · aktive Unterstützung der Vereinsarbeit
    · Stimmrecht in der Mitgliederversammlung
    mehr Informationen / Ich möchte »Ordentliches Mitglied« werden.

    Fördernde Mitgliedschaft
    · regelmäßige Informationen über die Vereinsarbeit
    · Einladung zu Veranstaltungen und zur Mitgliederversammlung
    · Berücksichtigung Deiner Anregungen, jedoch kein Stimmrecht in der Mitgliederversammlung

    Du kannst Dir einen Fördermitgliedsantrag ausdrucken und uns zusenden. Bist Du noch minderjährig, musst Du dies sogar, da wir die Unterschrift Deiner Eltern benötigen.

  2. Du kannst im Ehrenamt aktiv bei uns werden.

    Wir können immer wieder Helfer*innen gebrauchen – ob für einen Ausstellungsaufbau, das Falten von Flyern, die Dokumentation von Veranstaltungen oder das Transkribieren von Interviews. Wenn Du Lust hast, etwas zu dem Projekt beizutragen, freuen wir uns riesig! Um herausfinden zu können, wo und wie Du Dich am besten einbringen kannst, haben wir einen kurzen Fragebogen für Ehrenamts-Interessierte entwickelt.
    Einfach aktiv werden und ausfüllen! Wir freuen uns schon auf Neuzugang in unserem Team.

  3. Du kannst uns Geld spenden.

    Wir arbeiten seit Gründung unserer Initiative ehrenamtlich für das Projekt. Seit Anfang 2017 konnten wir mit der Anstellung von Sarah Hüttenberend eine erste Stelle finanzieren. Nun möchten wir eine zweite Stelle finanzieren, mit der wir unsere Arbeit ausbauen und zukünftig sichern können. Du kannst uns bei diesem Vorhaben finanziell unterstützen:

    HEIMATSUCHER e.V.
    Evangelische Bank
    IBAN: DE20 5206 0410 0000 8101 77
    BIC: GENODEF1EK1

    Bei Spenden unter 200 € reicht auf dem Überweisungsbeleg der Verwendungszweck »Spende für HEIMATSUCHER e.V. – Freistellung vom 05.10.2016, StNr 133/5907/3017« als Nachweis für das Finanzamt. Bei Beträgen über 200 € und auf Wunsch stellen wir gerne eine Spendenbescheinigung aus (bitte Adresse unter Verwendungszweck angeben).

  4. Du kannst uns auf Facebook und Instagram liken und Deine Freunde einladen.

    Das verhilft uns zu mehr medialer Aufmerksamkeit.

  5. Beim Einkauf auf Amazon kannst Du uns unterstützen, ohne einen Cent mehr auszugeben.

    Einfach smile.amazon.de eingeben und oben den Verein HEIMATSUCHER e.V. auswählen und ganz normal bestellen. Amazon schreibt uns dann 0,5 % des Einkaufswertes gut.

Ist der Name HEIMATSUCHER eigentlich rechtlich geschützt?

Der Name »HEIMATSUCHER e.V.« ist über das Vereinsregister geschützt. Der Name »Zweitzeugen« ist deutschlandweit als Wort patentiert (Bildungsbereich, Wissenschaft, Erinnerungskultur, etc.)

»Shoah« oder »Holocaust«?

In unserer Arbeit treffen wir andauernd auf die Begriffe »Holocaust« und »Shoah« und reflektieren ihre genaue Bedeutung, jedoch entscheiden wir uns bewusst nicht für einen der beiden. Stephanie erklärt warum und hat sich Gedanken gemacht, was sie mit den beiden Begriffen verbindet:

HEIMATSUCHER verwendet »Holocaust und »Shoah, um den Massenmord an den europäischen Jüd*innen durch das nationalsozialistische Deutschland zu bezeichnen. Der hebräische Begriff »Shoa« scheint angemessener, zumal er von Jüd*innen selbst verwendet wird, aber die meisten Nicht-Jüd*innen kennen und verstehen eher den Ausdruck »Holocaust« – und um Verständigung geht es bei HEIMATSUCHER.

Um 1980 klärten insbesondere zwei Filme die breite deutsche Öffentlichkeit über den NS-Massenmord an Jüd*innen auf. Sie hätten unterschiedlicher nicht sein können: Der eine, »Holocaust«, war eine vierteilige US-amerikanische Fernsehserie mit Stars wie Meryl Streep, der andere, »Shoa«, die Low-Budget-Dokumentation eines französischen Linksintellektuellen, der sich, seiner jüdischen Wurzeln erinnernd, auf Spurensuche zu den deutschen Vernichtungslagern nach Polen begab. Beide Filme hatten – auf ihre Art – große Verdienste. »Holocaust« schilderte das Schicksal der fiktiven jüdischen Arztfamilie Weiss aus Berlin und lud die Zuschauer zur Identifikation mit deutschen Jüd*innen ein. In einer Zeit, als es nur drei öffentlich-rechtliche Fernsehprogramme gab, erreichte er 1979 ein Riesenpublikum. Auch wenn Elie Wiesel bemängelte, der Film sei »eine aus kommerziellem Kalkül produzierte Seifenoper«: Erstmals wurde in nicht-jüdischen deutschen Familien öffentlich über den Mord an den Jüd*innen gesprochen. Der Regisseur, Marvin J. Chomsky, geboren 1929 in New York, hatte zuvor die Fernsehserie »Roots« gedreht, die in ähnlicher Weise erstmals die Geschichte schwarzer Sklav*innen in den USA thematisierte. Gefühlig, um populär zu sein – aber bahnbrechend und erfolgreich.

Ganz anders »Shoa«, ein zweiteiliger Dokumentarfilm von beeindruckenden neuneinhalb Stunden Länge: Claude Lanzmann, Jahrgang 1925, schrieb lange im Umfeld von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, deren zeitweiliger Lebensgefährte er war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges studierte und lehrte er zunächst einige Jahre Philosophie in Deutschland, ohne seine jüdische Herkunft mit den kaum zurückliegenden Morden der Deutschen auch an französischen Jüd*innen in Verbindung zu bringen. Erst ab 1970 beschäftigte er sich mit seiner jüdischen Identität. »Shoa«, sein großes preisgeköntes Werk, erschien 1985 nach elfjähriger Arbeit. Es ist ein formal sehr ruhiger Film, der sich dem kaum fassbaren Grauen der Konzentrationslager in vielen Zeitzeug*innenberichten und langen Einstellungen nähert. Claude Lanzmann nimmt sich viel Zeit, das Geschehene einigermaßen zu begreifen, und lässt auch seinen Zuschauer*innen die Zeit. Zu dieser Herangehensweise passt gut der Titel »Shoa« (Katastrophe, Unheil), der in seiner Vagheit den anhaltenden kontroversen Debatte entspricht, ob überhaupt ein Begriff den schrecklichen Ereignissen gerecht werden könnte.

Ankunft ungarischer Juden

Quelle: Bundesarchiv (183-N0827-318)

Schwieriger wirkt heute der Begriff »Holocaust« (griechisch: Brandopfer), der im Altertum die Brandopferung von Tieren bezeichnete und sich um 1900 im englischen Sprachraum als Synonym für Völkermord etablierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er zum Sammelbegriff für die NS-Judenvernichtung. Jedoch schwingt in ihm beispielsweise noch immer die ursprüngliche religiöse Bedeutung mit, als wären die NS-Morde an Juden eine bewusste Opferung, um eine Gottheit milde zu stimmen – was angesichts des sinnlosen brutalen Tötens in Auschwitz oder Treblinka sicher nicht der Fall war.

»Shoa« oder »Holocaust«? Unsere sprachliche Ohnmacht gegenüber den Ereignissen bleibt. In jedem Fall taugen beide Wörter als allgemein verständliche Arbeitsbegriffe. [hrf_faq]