Einblicke

Geht uns das überhaupt noch etwas an?

Genau dieser Frage waren die Schüler*innen einer 8. Klasse des Comenius Gymnasiums in Datteln am 29./30.10.2015 ausgesetzt. Ich selbst durfte zusammen mit drei weiteren Studentinnen zum ersten Mal ein Projekt des HEIMATSUCHER e.V. begleiten. Im Rahmen eines Seminars haben wir uns mit Holocaust learning beschäftigt und der Frage, wie man den Schüler*innen dieses Thema näher bringen kann. Jetzt haben wir eine klare Antwort: das Konzept der Zweitzeug*innen.

Im Laufe dieser zwei arbeitsintensiven und lehrreichen Tage haben die Kinder sich nicht einfach mit dem Holocaust auseinandergesetzt, sondern sind Teil der Geschichte geworden, indem ihnen die Verantwortung übertragen wurde, das Leben von Überlebenden nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Am ersten Tag haben wir uns mit verschiedenen Lebensgeschichten von Überlebenden befasst. Dabei wurde die Möglichkeit gegeben, diese Personen, wenn auch nicht persönlich, kennenzulernen. Diese Informationen wurden nicht einfach präsentiert, sondern selbst erarbeitet und später reflektiert, sodass eine emotionale Verbindung entstehen konnte.
Der nächste Tag war konkreten Projekten gewidmet, in denen die Geschichten der Überlebenden neu verarbeitet werden sollten. Dabei hatten die Schüler*innen freie Wahl. Viele haben sich dafür entschieden mit Fotos zu arbeiten, indem besondere Stellen aus den Interviews mit den Überlebenden herausgesucht und visualisiert wurden.

Um schließlich auf die Eingangsfrage zurückzukommen: Die Geschichte geht uns auch heute noch etwas an – die Schüler*innen nun sogar persönlich, weil sie sie weitertragen und so das Vergessen verhindern. Schließlich ist Geschichte ein Teil unserer Kultur und die beeinflusst, wie wir uns entwickeln und definieren.

Juliane Smit, Studentin der Universität Osnabrück