Veröffentlichungen

HEIMATSUCHER-Ausstellungskatalog

Der Ausstellungskatalog ist die erste Veröffentlichung unseres Projekts und gleichzeitig Zeuge unserer Entwicklung. Er begleitet uns auf unserer Reise nach Israel, zu den ersten neun Überlebenden und hält neben den Gesprächen auch unsere Eindrücke dieser einschneidenden Erlebnisse fest. Die Konsequenz, nach Beendigung unseres Studienprojekts in Deutschland weiter Spuren zu suchen, findet in einem ersten Interview in Deutschland ihren Platz.

Jede und jeder Portraitierte wird ehrlich aus unserer Perspektive vorgestellt – der sprachliche Charakter findet ebenso seine Beachtung wie der Gesprächsrhythmus und die natürliche Lichtsituation.

Für einen ruhigen Moment Zuhause. Für interessierte Freunde. Zum Erinnern, Kennenlernen und Weitergeben.

 

Leider ist der Katalog momentan vergriffen. Wir arbeiten allerdings bereits an einer erweiterten Neuauflage.

Um einen Neudruck realisieren zu können, sind wir auf Hilfe angewiesen. Auf betterplace sammeln für die Druckkosten.

Vorwort

Als ich während der Semesterferien von Anna Damm und Sarah Hüttenberend eine Anfrage erhielt, ob ich im folgenden Semester eine Arbeit über SchoahÜberlebende in Israel betreuen könne, war mir nach einem kurzen Gespräch klar, dass sich hier zwei Studentinnen gefunden hatten, die an mehr als an »Fotografie« interessiert sind.

Sie hatten sich schon zu unserem ersten Gespräch inhaltlich gut vorbereitet, ein erstes Konzept entwickelt und sprühten voller Tatendrang. Ist es ein Zufall, dass sie Anna und Sarah heißen? Schon alleine diese beiden Namen deuten an, wie sehr unsere Kultur mit den Fundamenten der jüdischen Tradition verwoben ist. Anna, die Mutter von Maria, Großmutter von Jesus. Sarah, die Frau Abrahams, eine der Erzmütter Israels, Mutter von Isaak. Die laut auflachte und nicht glauben wollte, dass sie in ihren reifen Jahren noch einmal Trägerin einer Geschichte werden sollte. Deren Namen ab 1938 alle Jüdinnen deutscher Staatsangehörigkeit zwangsweise annehmen mussten.

Wenn man nun die vorliegende Arbeit anschaut, wird klar, dass es weit mehr als ein fotografisches Projekt geworden ist. Fotografie wird hier nicht als Selbstzweck betrieben, um möglichst aufregende Fotos zu machen. Sie wird als Vehikel eingesetzt, gesellschaftliche, soziale und politische Zusammenhänge hautnah zu beschreiben.

Die Autorinnen beziehen inhaltlich ganz klar Position und erkennen die gesellschaftliche Relevanz der Geschichte, die sie bisher nur aus Büchern und Erzählungen kannten. Yehuda Bauer (geb. 1926), Überlebender der Schoah, ehemaliger Professor an der Hebräischen Universität Jerusalem und Leiter der Gedenkstätte für die Toten der Schoah in Yad Vashem in Jerusalem, meint, man soll nach Auschwitz den Zehn Geboten drei neue Gebote hinzufügen.

1. Du sollst nie Täter sein.
2. Du sollst nie Opfer sein.
3. Du sollst nie gleichgültiger Zuschauer sein.

Hier sehen wir eine Arbeit von engagierten jungen Frauen, die alles andere sein wollen, nur keine gleichgültigen Zuschauer.

Sie mischen sich ein! Sie begnügen sich nicht mit der Oberfläche, sie graben tief, auch wenn es anstrengend und mühsam ist. Sie legen vorsichtig die Wurzeln frei und geben uns einen Einblick in die Situation derer, für die die Schoah kein historisches Phänomen ist, die existenziell davon betroffen sind und führen uns eindringlich vor Augen, wie ihr Lebensweg weiter geht.

Sie lassen sich sensibel und voller Respekt auf die Überlebenden ein und lassen uns an ihrer Geschichte teilhaben.

– H. Dornhege im April 2011