Aktuelles, Einblicke

HEIMATSUCHER beim »Tag der Vielfalt«

Tag der Vielfalt

Am 30. Oktober 2017 durfte ich – Christine – zum ersten Mal bei einem HEIMATSUCHER-Schulprojekt dabei sein und habe Vanessa nach Dieburg in die »Alfred-Delp-Schule« begleitet.

Die »Alfred-Delp-Schule« ist ein Oberstufengymnasium und Mitglied im Netzwerk »Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«.  Bereits zum zweiten Mal wurde von der Schüler*innenvertretung zusammen mit dem »beratungsNetzwerk hessen« ein »Tag der Vielfalt« organisiert. Für die Schüler*innen wurden über 30 Workshops und ein Zeitzeuginnengespräch angeboten, um auf verschiedene Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit aufmerksam zu machen. Das Spektrum war breit gestreut und so gab es unter anderem Angebote vom Landesverband der Sinti und Roma, dem Hessischen Jugendring, einem jüdischen Sportverein, dem Bund für Schwulen- und Lesben-Aufklärung und von den HEIMATSUCHERN.

Unseren Workshop besuchten 26 Schüler*innen, die von Anfang an sehr motiviert und interessiert zuhörten, Fragen stellten und kluge Anmerkungen machten.

Zu Beginn des Workshops überlegten die Schüler*innen, wie bei ihnen »ein ganz normaler Tag« aussieht. Schnell sammelte sich eine lange Liste mit typischen Aktivitäten wie zum Beispiel: In die Schule gehen, mit Freunden treffen, ins Kino gehen oder Sport machen.

Danach wurde eine Auswahl von Gesetzen vorgestellt, die das Leben von Jüd*innen in Deutschland ab 1933 immer mehr einschränkten. Die Schüler*innen sahen, dass mit jedem weiteren Gesetz Aktivitäten von ihrer Liste auf einmal nicht mehr möglich waren. Am Ende dieser Einheit sagte ein Schüler: »Viel bleibt da aber nicht mehr übrig. Eigentlich nur aufstehen, etwas essen, rumsitzen und schlafen gehen. Das ist doch kein richtiges Leben.«

Vanessa erzählte dann die Geschichte von Elisheva Lehman. Durch ihren lebendigen Vortrag gelang es ihr, dass sich die Schüler*innen die Geschichte nicht nur anhörten, sondern richtig mitfühlten. Besonders gut konnten sie nachempfinden, wie schlimm für Elisheva die erzwungene Trennung von ihrer ersten Liebe Berni gewesen sein muss.

Im Anschluss durften die Schüler*innen aktiv werden und selbst zu Zweitzeug*innen werden. Es war beeindruckend zu sehen, mit welcher Ernsthaftigkeit die Schüler*innen sich die Geschichten von Rolf Abrahamson, Schwester Johanna und Eliezer Ayalon erarbeiteten und anschließend im Plenum vorstellten.

Als Vanessa am Ende sagte, dass die Schüler*innen den Zeitzeug*innen Briefe schreiben können, waren einige sehr überrascht, dass es diese Möglichkeit gibt. Nach einem Film, indem man sehen konnte, wie sich Elisheva Lehmann und andere über die Post von Schüler*innen freuen, wollten viele gerne einen Brief schreiben. Leider waren die drei Stunden für den Workshop aber schon vorbei. Ich bin mir sicher, dass einige Briefe aus Dieburg in der nächsten Zeit bei den HEIMATSUCHERN ankommen und dann weitergeschickt werden können.

Christine Ewald