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HEIMATSUCHER goes Berlin – oder »Wie Sprache Realitäten konstruiert«

Am 15. Juli 2017 durfte ich, Ksenia, stellvertretend für HEIMATSUCHER e.V. am Workshop »Verbaler Fundamentalismus oder Wie Sprache Realitäten konstruiert« an der TU Berlin teilnehmen. Es war ein interaktiver Workshop, bei dem viele Wissenschaftler*innen, Studierende und Interessierte zusammen kamen, um vor allem über »Hate Speech«, »Alternative Facts« und »Verschwörungsphantasien« im Internet zu sprechen und zu diskutieren.

HEIMATSUCHER e.V. wurde von Herrn Martin Keller, der selber Redner auf der Tagung war, dazu angeregt, an der Konferenz teilzunehmen. Und kurzerhand saß ich im ICE nach Berlin, sehr aufgeregt und mit einem vorbereiteten Impulsreferat und Rolf Abrahamsons bewegender Geschichte im Gepäck. Zum ersten Mal durfte ich HEIMATSUCHER e.V. nicht nur vor Schüler*innen, sondern auch vor Wissenschaftler*innen wie Monika Schwarz-Friesel (Kognitionswissenschaftlerin, Antisemitismusforscherin und Professorin an der TU Berlin), Konstanze Marx (Professorin für »Linguistik der Deutschen« an der Universität in Mannheim) oder auch Joachim Scharloth (Professor für Angewandte Linguistik an der TU Dresden) vorstellen.

Bei der Vorbereitung auf mein Impulsreferat hatte ich großartige und erfahrene Unterstützung von Sarah und Vanessa, die mir mit ihrer Expertise halfen und unglaublich viel Input gaben. Zusammen erarbeiteten wir ein auf das Thema der Tagung zugeschnittenes Referat. Dabei lernten wir HEIMATSUCHER e.V. selber noch einmal aus einer ganz eigenen, auch sprachwissenschaftlichen Perspektive kennen. Uns wurde klar, dass für unser Projekt die Sprache ein ganz zentrales Medium darstellt. Das Gespräch, sowohl mit unseren Zeitzeug*innen als auch mit den Schüler*innen ermöglicht Austausch, Interaktivität und eine ganz intime Begegnung. Somit wird es gleichzeitig eine besonders intensive und persönliche Auseinandersetzung mit Geschichte. Diese Form des Mediums ist eine der einfachsten, direktesten und ursprünglichsten Art und Weise, Wissen von Generation zu Generation weiterzutragen. Im Zeitalter der Möglichkeiten von Digitalisierung ist das ein ungewöhnlicher und wie wir glauben, umso wichtigerer Weg.

Mit dem Erzählen in der Klasse üben die Schüler*innen diese Form der Weitergabe als Aneignungsprozess von Geschichte und antworten damit auf die häufig gestellte Frage:

Wie kann man die Erinnerungen an die Holocaustüberlebenden bewahren, wenn sie nicht mehr für sich selber sprechen können?

Es wurde für mich ganz persönlich noch einmal besonders deutlich, wie wundervoll die Möglichkeit für die Schüler*innen ist, den Überlebenden am Ende einer Grundeinheit von HEIMATSUCHER einen Brief zu schreiben. Darin drücken sie aus, was sie bewegte, erstaunte oder faszinierte. Für die Schüler*innen bedeutet dies, ihrer häufig wahrzunehmenden Wut, ihrer Traurigkeit, aber auch ihrer Bewunderung in Worten Ausdruck zu verleihen.

Die Konferenz war wirklich unheimlich spannend und die Freude umso größer, als ich das Referat halten und anschließend unglaublich viele interessierte Fragen beantworten und ehrlichen Zuspruch und Begeisterung für HEIMATSUCHER e.V. mit nach Hause nehmen durfte. Für eine solche Möglichkeit und Bereicherung bin ich wirklich sehr dankbar.

Ksenia, Ehrenamtliche im Team Bildung und im Team Wissenschaft