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»Ich bin sprachlos. Sprachlos vor Dankbarkeit, dass es diesen Verein gibt und für seine Arbeit.«

Vom 24. bis zum 26. Februar 2017 fand die Jahrestagung des Kriegsenkel e.V. in Dorfweil im Taunus statt. Das Thema der diesjährigen Tagung war »Vermächtnis und Vermögen. Perspektiven für Kriegsenkel«. Es gab vielfältige Beiträge:

  • Katrin Himmler, Politikwissenschaftlerin und Autorin
  • Stefan Kühmayer, Mitarbeiter bei der Wehrmachtsauskunfsstelle und freier Journalist
  • Raymond Unger, Künstler und Autor
  • Ingrid Meyer- Legrand, Psychotherapeutin und Autorin
  • Sebastian Heinzel, Filmemacher und Autor
  • Claudia Schnürer, Heilpraktikerin, Performerin und Dozentin für Körperbewusstsein und Bewegung

Kriegsenkel

Als Kriegsenkel bezeichnen sich diejenigen, deren Eltern während der nationalsozialistischen Herrschaft und im Zweiten Weltkrieg aufgewachsen oder währenddessen geboren sind. So sind die Eltern der Kriegsenkel Kinder des Krieges, i.e. Kriegskinder. Für viele Mitglieder der Kriegsenkelgeneration haben die nationalsozialistische Herrschaft, der Krieg und die Rolle ihrer Eltern in dieser Zeit Nachwirkungen auf das eigene Leben. Durch transgenerationale Prozesse haben die Kriegskinder ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Traumata an die Enkel des Krieges vermacht.  Für die Kriegsenkel ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte sehr schmerzhaft und schwierig. Zudem ist die Beziehung zu ihren Eltern häufig belastet und konfliktbeladen. Viele Kriegskinder können und wollen nicht über ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit ihren Kindern reden. Viele von ihnen sind stark traumatisiert, was sie unbewusst in das Verhältnis zu ihren Kindern übertragen.

Kriegsenkel e.V. erkennt in dieser Auseinandersetzung nicht nur ein Vermächtnis, sondern auch ein Vermögen. So können Potentiale bewusst gemacht, erschlossen und genutzt werden. Der Umgang mit Geschichte von Kriegsenkel e.V. ist ein  wichtiger Beitrag zu unserer Erinnerungskultur und zu einer Gesellschaft, die sich ihrer Geschichte und ihrer Verantwortung bewusst ist.

HEIMATSUCHER e.V. und Kriegsenkel e.V.

Ganz ähnlich wie wir,  setzen sich die Mitglieder von Kriegsenkel e.V. aktiv mit Lebensgeschichten und der Wirkung der nationalsozialistischen Herrschaft bis ins heute auseinander. Deswegen wurde ich eingeladen bei der Jahrestagung HEIMATSUCHER e.V. und unsere Arbeit vorzustellen. Ich hatte mich dazu entschieden nicht nur unsere Arbeit vorzustellen, sondern auch eine Überlebensgeschichte. Chava Wolfs Geschichte. Die Geschichte von Chava geht mir seit dem ersten Moment bei HEIMATSUCHER nicht mehr aus dem Kopf und hat mich so sehr berührt und tut es immer noch, dass ich sie einfach mit jedem teilen muss – so auch mit den Kriegsenkeln. Am Ende des Vortrages zeigte ich unseren Film »Briefe für die Heimatsucher«.

Danach brauchten alle eine kurze Pause, um das Gehörte zu verarbeiten und ihre Tränen zu trocknen. Kurze Zeit später wurde ich mit unzähligen Fragen und Reaktionen bestürmt: Wie geht es Chava und den anderen heute? Wie ist es mit Schüler*innen darüber zu reden? Wie reagieren 10jährige, wenn du ihnen so eine Geschichte erzählst?

Eine Frage hat mich allerdings unerwartet getroffen: Wie geht es euch HEIMATSUCHER*innen, wenn ihr diese Geschichten hört? Wie hat es euch persönlich verändert und wie beeinflusst es euer Leben?

Am Ende der Tagung fasste Jennifer Heinrich als Abschlussreferentin die einzelnen Beiträge noch einmal zusammen und fand dabei auch sehr persönliche Worte. Ihr Kommentar über HEIMATSUCHER macht uns wiederum sehr glücklich und erfüllt uns mit Stolz, denn er zeigt, welche Wirkung unsere Arbeit hinterlässt.

»Ich bin sprachlos. Sprachlos vor Dankbarkeit, dass es diesen Verein gibt und für seine Arbeit.« – Jennifer Heinrich

Kurzum: Es ist ein wundervolles Gespräch mit den Kriegsenkeln gewesen. Ich konnte dort viele großartige, empathische und unglaublich interessierte Menschen kennenlernen. Auch im Nachhinein habe ich noch mit einigen Kontakt und hoffe, dass sich unsere Wege noch das eine oder andere mal kreuzen werden.

Eure Vanessa