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Israel Lichtenstein

Das ist eine der wichtigsten Erfahrungen, die Israel Lichtenstein in der Zeit des Krieges machen musste. Als kleiner Junge schlug er sich alleine mit seinen zwei Cousins bis zu dem Kinderheim durch, in dem er auch schon zu Beginn des Krieges lebte. Er rettete sich so das Leben. Heute lebt er mit seiner Frau in Jerusalem – als stolzer Jude und Franzose.

 

»Manchmal muss man, wenn man sein Kind retten will, es weg schicken«

geboren 1932 in Frankreich, lebt heute in Jerusalem

 

Israel Lichtenstein haben wir als einen charmant-sympatischen und sehr gebildeten Herrn kennen gelernt. Wir waren direkt von seinem freundlichen Lächeln und dem französischen Akzent verzaubert. Doch obwohl er uns seine Geschichte mit einer durchgängigen Leichtigkeit erzählte, spürte man den Ernst eines Kindes, das zu früh erwachsen werden musste.

Am Tag unserer Begegnung holte er uns mit seinem Auto an der Gedenkstätte Yad Vashem ab. Es begrüßte uns eine wunderschöne, helle und sehr stilvoll eingerichtete Wohnung. Sie spiegelt seine Liebe zur französischen wie jüdischen Kultur und vor allem zu Büchern wieder. Mitten im Gespräch stand er manchmal auf, um ein Buch aus seinem Fundus zu greifen und daraus zu zitieren. Zum Beispiel ein Gedicht von Heine, das er in der Schule gelernt hatte.

Große Bilder mit abstrakter, farbenfroher Malerei, in Kombination mit den tanzenden Sonnenflecken von draußen, verzauberten die Atmosphäre im Raum.

Man merkt Israel Lichtenstein an, dass er dieses Land, Jerusalem und seine Wohnung mit Blick auf den Stadtwald von ganzem Herzen liebt. Auch wenn er immer Franzose sein wird, französiche Bücher liest und französische Musik hört: In Israel ist er angekommen.

Nach Frankreich, wie er uns erzählt, fuhr er trotzdem immer sehr gerne und regelmässig. Er fühle sich dort wie ein »privilegierter Tourist«, denn er verstehe die Kultur und Sprache wie ein Einheimischer, sei jedoch nur vorübergehender Gast.

Ebenso wichtig wie sein facettenreiches heutiges Leben ist ihm, dass junge Menschen von seiner Geschichte erfahren und verstehen, was im Zweiten Weltkrieg geschehen ist. Aus diesem Grund lädt der ehemalige Klinikdirektor regelmäßig Volontäre zu einem Abend der Begegnung ein, erzählt von seinem Leben und beantwortet Fragen. Denn diese Lebensgeschichten sind es, die jungen Menschen einen greifbaren Zugang zur Geschichte bieten. Einen Abend mit Israel Lichtenstein vergisst man nicht.

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» Fragen? Schreib Israels Zweitzeugin Anna.