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Lebendige Auseinandersetzung mit Geschichte und Geschichten

Oldenburg – Rottenburg an der Laaber – Bayreuth. Diese Städte sollten die Stationen für meinen ersten Ausflug mit den HEIMATSUCHERN sein. Mein Name ist Lukas und ich bin seit Mitte Februar glücklicher Praktikant im Bildungsteam des Vereins.

In Bayreuth warteten fünf 9. Klassen auf die HEIMATSUCHER und die spannenden Geschichten der Überlebenden, welche die vier Multiplikatorinnen Sarah, Ksenia, Vanessa und Katrin natürlich in ihrem Gepäck hatten. Das Gebäude des Markgräfin Wilhelmine Gymnasiums, das uns an diesem Tag beheimatete, ist ein riesenhafter Bau, der geistige Lebendigkeit anmuten lässt und bis zu den 1960er Jahren eine Lehrer*innenausbildungsstätte war, wie man uns mitteilte.

Ich war Ksenias Gruppe zugeteilt und mit einem Foto-Apparat ausgestattet. Dadurch konnte ich natürlich im Detail einzelne Reaktionen der Schüler*innen beobachten und diese festhalten, ein spannender Vormittag für mich. Die Schüler*innen waren von Grund auf an der Thematik interessiert, kannten sich bereits grob in ihr aus und konzentrierten sich auf Ksenias Vortrag. Ich hatte den Eindruck, dass sich viele Schüler*innen intensiv mit den anstrengenden Geschichten auseinandergesetzt haben und diese sie in einen aufwühlenden Prozess verstrickte.

Da ich momentan in Heidelberg am Institut für Bildungswissenschaft studiere und mich viel mit der Frage beschäftigt habe, was Bildung in Sich-bildenden Personen auslösen sollte, war es für mich sehr aufregend zu sehen, wie diese jungen eigenständigen Persönlichkeiten die Grausamkeiten des Nationalsozialismus aktiv aufarbeiteten.

Im zweiten Teil des Tages wurden unterschiedliche Workshops angeboten. Da war die Möglichkeit zum kreativen Schreiben gegeben oder etwa die zu einer vertieften Auseinandersetzung mit den Inhalten einzelner Geschichten von Zeitzeug*innen. Es wurden Bilder gemalt, Gedichte und sogar Theaterstücke geschrieben, es wurde ein Zeitstrahl über das Leben Henny Brenners angelegt oder weiterführende Fragen zum Innenleben der Protagonistin beantwortet. Insgesamt entwickelten sich an diesem Morgen also sehr unterschiedliche Bearbeitungsvarianten einiger grundlegenden Fragestellungen.

Viele der Schüler*innen waren am Ende des Besuchs sehr dankbar, gerührt von den Geschichten und verständlicherweise auch ein bisschen erledigt. Wir auch! Daher genehmigten wir uns noch ein Tässken Tee im dortigen Lehrerzimmer und ließen den Vormittag Revue passieren.

Ich bin sehr froh an diesen drei Tagen (die beiden Tage davor war ich mit an einer Förderschule in Rottenburg) dabei gewesen zu sein. Dadurch hab ich einmal mehr festgestellt, wie viel es über die Thematik zu lernen, zu wissen und vor allen Dingen zu behalten und erinnern gibt.

Nachtrag:

Im Anschluss an unseren Projekttag in Bayreuth erhielten wir eine wunderbare E-Mail von Matthias, der sich gerne bei HEIMATSUCHER engagieren wollte. Hier erklärt er warum:

Wie habe ich den Workshop an meiner Schule erlebt?
»Der Workshop war erst einmal sehr informativ. Man konnte sehr viele Dinge lernen, die man davor noch nicht wusste. Das Thema, das sehr tragisch ist, wurde uns sehr langsam vorgestellt, sodass man sich selbst schön langsam „hineinfühlen“ konnte. Meine Klasse wurde von Frau Katrin Hüttenberend betreut, die das Thema wirklich PERFEKT rübergebracht hatte. Das Programm war super ausarbeitet, man konnte sich also keinesfalls beschweren.«

Was hat mich berührt?
»Mich haben am meisten die Geschichte und Bilder berührt. Von den Personen, die das alles miterlebt haben, „selbst zu hören“, wie es damals war, zur Zeit des Holocausts, war wunderbar. Die Geschichten, die sie erzählt haben waren sehr traurig und haben mich sehr berührt. Auch wenn wir die Geschichten nur in Heftchen lesen konnte; man hat wirklich mitgefühlt, wie es den Menschen damals ging.
Die Bilder, die uns gezeigt wurden, waren jedoch ein krasses Gegenteil zu den Geschichten. Die Menschen waren fröhlich, sie lachten. Das hat sich natürlich auch auf uns Schüler übertragen. Auch wir haben uns gefreut, dass es den Holocaust-Überlebenden nach so einer schweren Zeit wieder besser geht und sie sich auch wieder freuen können. Das wäre meiner Meinung nach ohne die Hilfe des Vereins Heimatsucher e.V. nicht möglich gewesen.
Aus diesem Grund habe ich mich auch bei ihnen gemeldet. Ich wusste vorher nicht über einen solchen Verein und ich fand die Arbeit, die der Verein verrichtet hatte und noch weiter verrichten wird sehr bemerkenswert. Ich habe mich bei ihnen bedankt, dass sie an unserer Schule waren. Ein weiterer Grund warum ich den Verein angeschrieben habe, war, dass ich auch mithelfen wollte. Auch ich wollte den Menschen helfen, wieder ein wunderbares Leben zu bekommen. Und tatsächlich; sie haben sich bei mir gemeldet und sich für meinen Text bedankt. Sie haben sich gefreut, dass ein so junger Schüler auch bei ihrem Verein mitmachen will. Seitdem stehe ich mit ihnen in Kontakt und freu mich über jede neue E-Mail, die ich von ihnen erhalte.«

Für alle, denen es ähnlich geht, bei uns kann jede*r mit machen – ganz unabhängig vom Alter. Mehr Informationen findet ihr hier.