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Lehrer*inneninfoabend im Jüdischen Museum Westfalen

„Meinst du es kommt jemand? Hat sich überhaupt jemand vorher angemeldet?“ Ein bisschen aufgeregt waren wir, Mareike vom Jüdischen Museum Westfalen und Vanessa, schon kurz vor Beginn unseres ersten Lehrer*inneninfoabends. Wir waren perfekt vorbereitet: es gab eine ausführliche PowerPoint Präsentation, der Saal war hergerichtet und unsere Notizen lagen bereit.

Wir waren sehr erleichtert als die ersten Lehrer*innen eintrafen, sofort anfingen sich mit uns zu unterhalten und Fragen zu HEIMATSUCHER e.V. zu stellen. Einige wirkten sehr interessiert und hatten sich schon vorab ein wenig informiert, andere wirkten eher etwas skeptisch. Zunächst habe ich, Vanessa, angefangen unsere Arbeit und insbesondere das didaktische Konzept vorzustellen. Das besondere an unserer Ausstellung im JMW ist zuerst einmal der Ort, denn Schwester Johanna ist nicht nur eine Mitbegründerin des Museums, sondern sie wohnt auch noch in der direkten Nachbarschaft und ist in Dorsten allseits bekannt. Auch Herr Abrahamsohn wohnt nicht weit entfernt und ist ein alter Bekannter und liebend gern gesehener Gast im JMW.

Eine weitere Besonderheit unserer Ausstellung im JMW ist das Programm, das Mareike nach mir den Lehrer*innen dargestellt hat: Die Lehrer*innen konnten über die Führungen durch die Ausstellung hinaus noch Workshops für ihre Schüler*innen buchen, in denen wir zum Beispiel als Einstieg in das Thema Nationalsozialismus und Judenverfolgung mit den Schüler*innen  in der Arbeitseinheit „Ein ganz normaler Tag“ herausarbeiten, wie die antijüdischen Gesetze das Leben der jüdischgläubigen Deutschen beeinträchtigt und letztlich aus der Gesellschaft ausgegrenzt haben. Das Programm haben wir in enger Zusammenarbeit mit dem JMW ausgearbeitet und wird auch immer von Mareike und einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin von HEIMATSUCHER e.V. durchgeführt werden.

Zum Schluss der Vorstellung habe ich unseren Film „Briefe für die Heimatsucher“ gezeigt, um deutlich zu machen, wie wichtig unsere Arbeit nicht nur für Schüler*innen ist, sondern auch für die Überlebenden. Nachdem der Film zu Ende war und wir Zeit eingeplant hatten für Rückfragen der Lehrer*innen, herrschte erst Stille. Eine der Lehrerinnen fragte ihre Kollegin leise nach einem Taschentuch. Der Film hat sie alle so berührt und beeindruckt, dass sie keine Worte fanden. Kurze Zeit später meldete sich ein Lehrer und wollte sofort für alle seine Kurse Workshops buchen, besonders für die Kurse, mit denen er im Sommer zur Gedenkstätte Bergen-Belsen fahren wird. Unmittelbar danach kamen noch andere Lehrer*innen, deren Schüler*innen eine Studienfahrt nach Auschwitz machen werden und fragten uns, ob wir ihre Schüler*innen darauf vorbereiten wollen würden.

Für uns war dieser Abend ein Erfolg: HEIMATSUCHER e.V.  und das JMW hatten alle überzeugt und berührt. Wir freuen uns auf die hoffentlich zahlreichen Führungen, Workshops und die neuen Zweitzeugen!