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Mauer in Israel

Das Magazin »enkelfähig« der Franz Haniel & Cie. GmbH befragte Wencke und drei Mitarbeiter von Haniel zu ihren Standpunkten zu »Mauern«. Wenckes Antwort stellen wir euch hier zur Verfügung, alle Antworten könnt ihr hier nachlesen.

Frage:

Was denkst du über die Mauer zwischen Israel und dem Westjordanland? Welche Eindrücke hast du auf deinen Besuchen vom Konflikt bekommen? Was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Antwort:

»Jerusalem war immer eine schwere Adresse«, der Titel eines Buches von Angelika Schrobsdorff fällt mir ein, wenn ich auf die Mauer in Israel angesprochen werde – die Mauer zwischen Israelis und Palästinensern. Genaugenommen ist es nicht überall eine Mauer, meistens »nur« ein Zaun, der Jerusalem vom Westjordanland trennt. Viel präsenter ist jedoch  eine ganz andere Grenze: die Grenze im Kopf, im Stadtbild fast unsichtbar. Doch man spürt sie.

Im Israel Museum in Jerusalem, eines der schönsten Museen zur jüdischen Kunst, Kultur und Geschichte, das ich kenne, gibt es ein Kunstprojekt für Kinder. Es heißt Bridging the Gap – den Graben überbrücken. Hier kommen palästinensische Kinder aus Ostjerusalem mit jüdischen Kindern aus Westjerusalem für ein Kunstprojekt zusammen. Es ist unglaublich schön zu sehen wie sie sich, meist ohne die Sprache des anderen sprechen zu können, verstehen. Sie arbeiten an gemeinsamen Bildern und Objekten. Ein Kurs dauert mehrere Wochen, die Verständigung wird dabei immer besser, es können sogar Freundschaften entstehen. Über den Graben schlagen die Kinder eine Brücke, über die auch ihre Eltern vielleicht gehen können.

Daher spreche ich lieber vom Graben als von der Mauer, wenn ich die Trennung zwischen der israelischen und der palästinensischen Bevölkerung beschreiben will. Die Menschen können sich sehen, wissen voneinander, können aber nicht zueinander. Bei einer Mauer ist der Blick versperrt und sie muss erst gewaltsam zerstört werden. Ich hoffe lieber auf die ruhigen Brückenbauer.

Auch HEIMATSUCHER versteht sich als Brückenbauer über die Gräben, die Vorurteile viel zu früh in den Köpfen von Menschen sähen. In unseren Projekten spüren wir diese Gräben bereits bei Kindern ab 10 Jahren. Genauso sehen wir aber auch, wie schnell und wirksam diese Gräben durch Begegnungen – zum Beispiel wenn Schüler*innen, die zuvor das Wort »Jude« als Schimpfwort verwendet haben, schließlich den Überlebenden persönliche, mitfühlende und Mut machende Briefe senden.