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9 Wochen auf der Suche nach der beruflichen Heimat, oder wie man lernt Einhörner zu mögen!

Ein Praktikum in Oldenburg verrichten, für 9 Wochen in den doch gar nicht so kalten Norden ziehen, um, ja, meinen formalen Lebensweg mit den dafür notwendigen Erfahrungen aufzuschichten, aber auch um den Verein »HEIMATSUCHER e.V.« und alle Menschen, die in ihm und um ihn herum tätig sind, kennenzulernen! Ich bin sehr froh, dass es so gekommen ist!

Zu Beginn lernte ich Katharina und Manfred kennen, bei denen ich viel Zeit verbracht habe. Katharina war meine Praktikumskoordinatorin und mühte sich erfolgreich, mir, ihrem neuen Schützling, alles zu zeigen, was für ihre Arbeit wichtig ist und für mich interessant und spannend sein könnte. Mir wurde sehr schnell klar, dass für das Funktionieren einer solchen Vereinsarbeit mehr dazu gehört, als bloß eine gute Idee und ein paar weiße Blätter. Von der Idee getragen und motiviert, so vielen Schüler*innen wie möglich von den Geschichten der Holocaust-Überlebenden zu berichten, tummeln sich hier nämlich einige fleißige und schöne Köpfe, um den Arbeitsaufwand, vor dem sie sich in einer vernetzten und geographisch gesehen auch manchmal weiten Welt wiederfinden, zu bewältigen. Einfachere Sätze zu schreiben, habe ich in den vergangenen 9 Wochen leider nicht gelernt.

Ich habe vorher nicht geglaubt, dass der Rahmen meines Praktikums mich bis in den Süden Bayerns und in unterschiedlichste Schulen bringen würde. In der zweiten Woche ging es für mich nämlich schon nach Bayreuth und Rottenburg a. d. Laaber, wo der Verein Schulprojekte geplant hatte und mich entweder als Fotoapparat oder assistierenden Anti-Rassismus-Trainer einsetzte. Well done!

Schülerbriefe

 Eine Aufgabe, die sich über den ganzen Zeitraum zog, bestand darin, Schüler*innenbriefe zu bearbeiten. Die Briefe werden von Schüler*innen unterschiedlichen Alters an die Überlebenden geschrieben, nachdem diese die Geschichten gelesen oder erzählt bekommen haben. Ich hatte bestimmt 300 solcher Briefe in der Hand und konnte dadurch die Perspektive der Kinder gewinnen, die in
diesen Briefen ihre Gedanken und Gefühle gegenüber den Überlebenden zum Ausdruck bringen. Neben Erschütterung und Verwunderung über die für junge Menschen nicht sehr greifbare Zeit, kommt aus dieser Richtung sehr viel Positives, Hoffnungsvolles und meistens nicht von Schuld getrübten Bewusstseins.
Und es ist auch spannend, welche Art von Kontakt das eigentlich ist. Da schreiben die Jüngsten den Ältesten und kommunizieren so über ihre jeweiligen Lebenswelten.

Ausstellung

Ein echtes Highlight war die Ausstellung im Osnabrücker Forum am Dom. Die HEIMATSUCHER hatten dort für einen Monat 11 ihrer Interviews ausgestellt, die mit wunderbaren Portraits der Überlebenden zusammen zur Beschäftigung mit der deutschen Vergangenheit einluden.

Ich fuhr dort ziemlich häufig hin, da sich so etwas nicht von alleine auf- und abbaut. Neben handwerklichem Tun habe ich dort aber auch wieder viele engagierte und nette Menschen kennengelernt, die sich um die Sache dort gekümmert und die Schulklassen und andere Besucher*innen der Ausstellung begleitet haben. Und wenn Katharina dabei war, haben wir es uns auf dem Rückweg nach Oldenburg nicht nehmen lassen, die beste Manta-Platte zu futtern, die man in ganz Niedersachsen finden kann. Man sieht, auch kulinarische Highlights sind im Rahmen einer Arbeit bei den HEIMATSUCHERN möglich!

Holocaust Education

Eine weitere größere Aufgabe bestand im Herausarbeiten von Theorien und Diskursen über die Holocaust Education. Da der Verein mit sehr sensiblen Materialien und Informationen arbeitet und die Bildungsarbeit auf reliablen Theorien fußt, war auch diese Recherchearbeit sehr spannend. Sich ein Bild von der Zeit der Grausamkeiten und von der Zeit danach zu machen, ist eine endlose und sicher keine emotionslose Angelegenheit. Gerade wenn man in der Bibliothek sitzt, den Kopf ins Buch getunkt und sich immer mehr Wut und Hass in einem aufstaut, wird einem die Bedeutung von Zigarettenpausen bewusst. An dieser Stelle merke ich nämlich, wie anstrengend eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit dieser Thematik ist und wie wichtig es ist, dass die HEIMATSUCHER das verstanden haben und handeln.

Ich habe über die Zeit hier in Oldenburg Platz in einer super netten Wohngemeinschaft gefunden, in der 12 Menschen miteinander auf ausreichend Platz miteinander leben, essen und feiern. Auch wenn ich völlig geschwächt von Katharinas Motivationspegel zuhause ankam, hatte ich dort einen entspannten Zufluchtsort, an dem ich Abends über meine Praktikumstage nachdenken konnte. Wie es scheint, war das alles in allem also ein sehr interessantes und lehrreiches Praktikum für mich und ich bin Katharina, Sarah, Manfred und dem Rest der Crew sehr dankbar für ihre Mühen, Ideen und für ihren Willen, die Arbeit an der Sache mit beschleunigender Energie fortzuführen.