Aktuelles, Einblicke

Schulbesuch in Krefeld-Uerdingen

HEIMATSUCHER Krefeld Uerdingen

»Wir wissen, wie schlecht es den Schülern damals ging und wie gut es uns heute geht! Wir müssen aufpassen, dass das nicht nochmal passiert.«

Diese Aussage eines Schülers der Gesamtschule Uerdingen in Krefeld ließ mich staunen und auch eine Weile nicht mehr los. Ein so gut reflektiertes Nachdenken und auch so viel Vorwissen über den Holocaust und den 2. Weltkrieg hatte ich einer 6. Klasse zugegebenermaßen nicht auf den ersten Blick zugetraut. Auch weil der Lehrer uns vorher noch berichtet hatte, dass die Schüler*innen im Geschichtsunterricht bisher »bei den Römern stehen geblieben« seien.

HEIMATSUCHER Krefeld Uerdingen

Schnell wurde ich bei meinem ersten Schulbesuch, bei dem ich der lieben Kathrin über die Schulter schauen durfte, eines Besseren belehrt. Die Schüler*innen brachten viel Neugierde und spannende Fragen mit. Ich merkte schnell, dass die Schüler*innen schon vieles wussten und vertiefen wollten, aber scheinbar bisher keine Antworten auf ihre Fragen bekommen hatten.

HEIMATSUCHER Krefeld Uerdingen

Über den gesamten Projekttag hinweg, war ein großes Bedürfnis der Kinder zu spüren, über ihre eigenen Familiengeschichten zu sprechen und zu forschen und die große Neugier, die gestillt werden wollte. An vielen Stellen wurde von den Erzählungen und Erinnerungen der eigenen Großeltern berichtet.

Kathrin verdeutlichte die immer stärker werdende Ausgrenzung europäischer Juden in der NS-Zeit anhand der kindgerechten und äußerst eindrucksvollen Methode »Ein ganz normaler Tag«, bei dem die Schüler*innen spüren, wie ungerecht und willkürlich die Ausgrenzung durch die sogenannten »Nürnberger Gesetze« von statten ging.  Ein großes Raunen und auch Wut war unter den Schüler*innen spürbar, als nach und nach deutlich wurde, welchen großen Einschränkungen europäische Juden durch die Nationalsozialisten unterlagen.

Auf die Frage Kathrins, warum wir uns überhaupt erinnern sollten und warum wir von HEIMATSUCHER gekommen seien, antwortete Joel: »Dass man das weitergibt und niemals vergisst. Dass sowas nie wieder passiert. Dass es nicht vergessen wird.«

Es bestätigte sich für mich durch diese unmittelbare Rückmeldung eines Schülers, dass gerade junge Schüler*innen und gerade auch in der 6. Jahrgangsstufe ein unglaublich ausgeprägtes Gerechtigkeitsbewusstsein haben und dass sie schnell verstehen, warum Erinnerung an den Holocaust so wichtig ist und bleibt.

»Sie sind hierher gekommen, damit wir lernen, dass man, egal welche Religion jemand hat, den schätzen und akzeptieren soll.«

Ksenia Eroshina, Team Bildung und Team Wissenschaft