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Shoshanna Maze

Die gebürtige Polin Shoshanna Maze kam am 15. Mai 1948 ganz alleine in ein fremdes Land. Es war der erste Tag des neuen Staates Israel, der von diesem Moment an ihr neues Zuhause war. Über die Jahre, in denen sie versteckt auf engstem Raum mit ihrer Familie lebte, redet sie nicht. Dafür erinnert sie sich umso lebhafter an ihre Kindheit in einer glücklichen Familie, an Birken und Maiglöckchen.

 

»The Difference between Anne Frank and me:
She had a good place, we lived underground a place not bigger than this table we were but Anne died and I am still alive.«

geboren 1932 in Polen, lebt heute in Jerusalem

 

Shoshanna Maze ist eine stolze Frau. Mit erhobenem Kopf steht sie vor unserer Kamera in ihrem Wohnzimmer, als wollte sie sagen: »Ich lasse mich nicht unterkriegen.« Im nächsten Moment schneidet sie eine Grimasse, bringt uns zum Lachen, fordert uns zu einem Tänzchen auf. Sie überredet uns, doch bitte noch zum Abendessen zu bleiben. Aber immer wieder gibt es auch Momente dazwischen. Augenblicke, in denen sie müde aus dem Fenster schaut und Pausen im Gespräch, weil sie nicht weiter erzählen kann.

Shoshanna hat eine neue Heimat in Israel gefunden. Von diesem ihrem Land, ihrer Kunst und vor allem ihrer Familie erzählt sie, wenn man nach ihrem Leben danach fragt. Ihr Wohnzimmer ist eine große Galerie, die all ihre Kunstwerke zeigt. Mit ihrer großen Leidenschaft, der Bildhauerei, hat sie für sich einen Weg gefunden, mit den Bildern in ihrem Kopf umzugehen. Sie verarbeitet auf ihre eigene Weise.

Über die Zeit während der Schoah redet sie nicht gerne, das ist abgeschlossen. In ihrem Gesicht erkennen wir einen Funken ihres Schmerzes des Erinnerns. Sie lebt in der Gegenwart. Und sie lebt voller Freude. Als eine ihrer Töchter zu Besuch kommt, erzählt sie mit dem Stolz einer Großmutter von ihren Enkeln und deren Leben.

Zum Ende unseres Treffens sitzen wir gemütlich in der Küche beisammen und Shoshanna fragt uns über unser Leben in Deutschland aus: Was unsere Interessen sind und wie wir unser Leben gestalten? Es seien doch fast die gleichen Themen, wie sie die israelische Jugend beschäftigen. Nur ist in Israel das Leben nach wie vor stark durch die politische Unsicherheit geprägt. Darüber ist Shoshanna müde.

In Deutschland war sie nur ein einziges Mal, aber da will sie auch nicht wieder hin. Ihr Zuhause ist Israel. Hier kommt sie zur Ruhe, kann nachts schlafen.

Ihren Enkel Daniel haben wir auf dem großen Markt in Tel Aviv getroffen. Er ist in unserem Alter, liebt Israel und erzählte uns mit so viel Wärme von seiner Großmutter, dass wir ihn als Teil des Portraits direkt fotografierten

Es gibt helle wie dunkle Seiten. Das haben wir mit unserer ersten Begegnung gelernt. Wichtig ist: Shoshanna Maze lebt.

» Hineinlauschen
» Fragen? Schreib Shoshannas Zweitzeugin Anna.