Allgemein

Warum eigentlich Schülerhefte?

HEIMATSUCHER e.V. interviewt Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentiert ihre Geschichten und erzählt sie unter anderem in Schulklassen weiter. Bei dieser wichtigen Bildungsarbeit mit jungen Menschen vermitteln wir die Geschichte der Zeitzeug*innen, machen sie erfahrbar, nachfühlbarer und greifbarer, thematisieren Mitgefühl und fordern zum Handeln auf. So werden Kinder und Jugendliche selbst zu Zeug*innen der Zeitzeug*innen – zu Z[w]eitzeug*innen.

Zur Veranschaulichung für die Schüler*innen dokumentieren wir die Geschichten der Zeitzeug*innen anhand von Schülerheften. Wie das Heft aufgebaut ist und welchen Zweck es erfüllt, erklären Katharina Spirawski (Leitung Team Bildungsarbeit) und Corinna Götte (Leitung Aufbereitung Schulmaterial) beispielhaft am Schülerheft über Rolf Abrahamsohns Geschichte.

Was ist der Inhalt des Hefts, was stellt Ihr darin genau dar?

Corinna: Im Schülerheft zeigen wir Ausschnitte aus dem Gespräch mit Rolf Abrahamsohn, die den Schüler*innen einen guten Einblick in seine Erlebnisse während des Holocausts geben sollen, die aber auch zeigen, wie sein Leben danach und bis heute für ihn weitergegangen ist.

Durch anschließende Fragen an die Schüler*innen möchten wir erreichen, dass diese den Bezug von Herrn Abrahamsohns Erzählung zu ihrem eigenen Leben schaffen und sich über Themen wie beispielsweise die Bedeutung von Heimat und Freundschaft Gedanken machen. Zusätzlich geben wir Tipps, wie die (Über-) Lebensgeschichte weitergetragen werden kann. Mit unserer Arbeit möchten wir Herz, Kopf und Hände der Schüler*innen ansprechen. Das bedeutet, dass Rolfs Lebensgeschichte Gefühle wecken und zum Nachdenken anregen soll und die Schüler*innen als ausgebildete Zweitzeug*innen schließlich aktiv etwas gegen Ausgrenzung und Rassismus tun können. Ein Kapitel mit erklärenden Texten sowie Fotos und Zeichnungen runden das Heft ab.

Welche Aufgabe erfüllt das Schülerheft bei Euren Schulprojekten?

Katharina: Die Schüler*innenhefte, die wir momentan erarbeiten, nutzen wir ab Klasse 7 aufwärts. Für jüngere Schüler*innen folgen wahrscheinlich im nächsten Jahr neue Materialien. Bei Schulprojekten nutzen wir Rolfs Heft, um den Schüler*innen Rolfs Geschichte näher zu bringen. Wir erzählen meist eine Lebensgeschichte ausführlich und die Jugendlichen lesen dann noch eine oder zwei weitere Geschichten. Dafür nutzen wir die Hefte, denn die gekürzte Form ermöglicht es, in etwa 30-45 Minuten die Lebensgeschichte kennenzulernen und dann mit anderen darüber ins Gespräch zu kommen. Die Aufgaben, die am Ende des Heftes stehen, helfen bei einer Differenzierung im Tempo und der Arbeitsleistung, so dass jede*r Schüler*in die Möglichkeit hat, die Lebensgeschichte zu verstehen und weiterzugeben. 

Warum ist dieses Schülerheft so wichtig für die Bildungsarbeit?

Katharina: Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen helfen uns die Hefte, mehrere Lebensgeschichten in einem Projekt unterzubringen. Zum anderen ermöglicht die Form als Heft, das selbst erlesen werden kann, eine Partizipation und Einbeziehung der Schüler*innen und nimmt sie selbst in die Verantwortung, eine*n Überlebende*n kennenzulernen. Zudem gehen wir meist in unbekannte Klassensituationen, wir wissen nur sehr marginal, welche Schüler*innen mit welchen Fähigkeiten uns begegnen. Das Heft hilft uns, trotzdem jeden Jugendlichen zu erreichen, da es in sich durch die eingefügten Aufgaben differenziert. Wir sind also unheimlich froh, dass wir nun auch ein Heft zu Rolfs Geschichte erarbeitet haben.

Verrätst Du uns noch ein schönes Zitat von Rolf Abrahamsohn, das auch im Heft auftaucht?

Corinna: Ja, es gibt ein sehr bedeutendes Zitat von ihm: »Wenn du nur einen überzeugst, dass die Demokratie besser ist, dann haben wir viel erreicht.«

Herr Abrahamsohn ist häufig selbst in Schulen gegangen, um seine Geschichte zu erzählen. Darauf bezogen hat er etwas gesagt, das mich immer wieder sehr berührt: »Und wenn ich mal einmal nicht kann, also wenn mir mal die Tränen so halb runterkommen, erzähl ich den Kindern irgendeinen kleinen Witz, dann kann ich wieder.«

Wie viele Schülerhefte der Zeitzeug*innen gibt es im Moment schon?

Corinna: Momentan gibt es Schülerhefte von Elisheva Lehman, Hannah Pick-Goslar und Rolf Abrahamsohn. Tibi Rams Heft steht kurz vor der Vollendung und an weiteren Schülerheften arbeiten wir gerade intensiv. Wir sind sehr froh, nach und nach mit immer mehr Schülerheften in unsere Schulprojekte gehen zu können.