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Was bleibt für mich von/nach Auschwitz?

HEIMATSUCHER LAKUM Auschwitzfahrt

Viele Eindrücke unserer Fahrt zur Gedenkstätte Auschwitz hallen bei mir nach. Vor dem Tor zum Stammlager unter dem Schriftzug zu stehen. Der Blick vom Wachturm aus über das schier endlose Gelände von Birkenau. An den ehemaligen Krematorien zu stehen und auf einmal ein jüdisches Klagelied zu hören. Wie die Zeitzeugin beim Erzählen ihrer Lebensgeschichte ihr Taschentuch in immer kleinere Knübbelchen zerrupft hat. Das Grab des letzten Juden von Oswiecim.

Diese Eindrücke beschäftigen mich beim Kochen, beim Autofahren, bei der Gartenarbeit. Auschwitz ist für mich nach wie vor unbegreiflich, unfassbar in Ausmaß und Unmenschlichkeit. Und trotzdem nehme ich zwei grundlegende Gedanken für mich mit.

Ich bin dankbar, dass ich so leben kann, wie ich lebe. Dass ich lernen kann. Dass ich reisen kann. Dass ich lieben kann, wen ich lieben möchte. Dass ich frei meine Meinung äußern kann. Dass ich als Mensch gesehen werde. Dass es mir, meinen Freunden und meiner Familie gut geht.

HEIMATSUCHER LAKUM Auschwitz

Auschwitz hat mir sehr deutlich vor Augen geführt, dass all das keine Selbstverständlichkeit ist. Und mit dieser Dankbarkeit stellt sich bei mir ein weiteres Gefühl ein.  Es ist ein bisschen so, wie wenn man eine neue Brille bekommt. Mit der alten konnte man auch noch gut sehen, aber mit der neuen sieht man schärfer, besser, genauer.

Ich sehe Dinge, die mich sonst im Alltag Nerven gekostet haben, aber sie sind nicht mehr so wichtig. Stau, Schlangen an der Kasse, unfreundliche Mitmenschen. Ich sehe sie, besinne mich darauf, wie gut es mir in meinem Leben geht und lächle. Ich habe an Gelassenheit gewonnen.

Ich weiß nicht, wie lange ich es schaffen werde, mir diese beiden Gefühle in meinem Alltag zu bewahren. Aber ich werde daran arbeiten, diese neue Sichtweise beizubehalten. Falten durch’s Lächeln sind auf jeden Fall schöner als Sorgen- oder Zornesfalten.

Charlotte Fricke, Team Bildungsarbeit

Fotos: © Jürgen Schram