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Welche Aufgabe gibt mir Auschwitz heute?

Gedenkstättenfahrt Auschwitz HEIMATSUCHER LAKUM

Auschwitz ist heute ein Museum, eine Gedenkstätte, ein Friedhof. Durch internationale Ausstellungen, Gedenksteine und -tafeln soll daran erinnert werden, was im Stammlager, in Birkenau und Monowitz geschehen ist. Der Begriff Auschwitz ist häufig das erste Wort, was Menschen mit der Schoah assoziieren. Doch wenn Auschwitz nicht mehr ist, welche Aufgabe(n) gibt uns das Wissen um seine vergangene Existenz heute?

»Auschwitz ist nicht mehr«, sagt Sister Mary abends zu uns nachdem wir den Tag in Birkenau verbracht hatten. Für mich zugleich der schlimmste und friedlichste Tag unserer Gedenkstättenfahrt. In der Kinderbaracke zu stehen, in der Leslie immerzu nach seiner Mutter gerufen hat, im Todesblock, in dem Erna darauf gewartet hat, ermordet zu werden und an dem Ort, an dem Frieda ihren Lebensmut verlor und sich erschießen lassen wollte.  Doch dieses Auschwitz gibt es nicht mehr. So schlicht diese Aussage ist, so sehr hat sie dazu beigetragen, dass ich an diesem Tag meinen Frieden mit Auschwitz gemacht habe.

Auschwitz und das Gespräch mit der Zeitzeugin Zdzisława Włodarczyk haben mir gezeigt, was wichtig ist und welche Aufgabe mir Auschwitz heute gibt: Jeden Menschen zu sehen. Jeder Mensch hat einen Namen, eine Identität, eine Geschichte. Jedem*jeder steht es zu, dass man ihm*ihr mit Wertschätzung begegnet. Jede*m begegne ich dort, wo er*sie gerade steht und von dort nehme ich ihn*sie mit.

Vanessa Eisenhardt, Team Wissenschaft und Team Bildung

Foto: © Jürgen Schram