Didaktisches Konzept:
Zweitzeug*in werden

Dieses Zitat von Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel trifft den Kern unserer pädagogischen Arbeit. Im Gespräch mit Zeitzeug*innen sind wir selbst zu zweiten Zeug*innen geworden. Als ›Zweitzeug*innen‹ sehen wir uns nun in der Verantwortung, das Gehörte weiterzugeben. Deswegen erzählen wir Schüler*innen von den Menschen, die uns berührt und ermutigt haben.


»Ich kenne dein Leben jetzt, deswegen bin ich deine Expertin« [Schüler, 8 Jahre]

 

Bereits ab der 4. Klasse

Sowohl in unserer Wanderausstellung, als auch in Projektarbeit an Schulen schaffen wir einen modernen und emotionalen Zugang zum Thema der Schoah. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche altersgerecht an dieses komplexe Thema heranzuführen. Hierfür erzählen wir die Geschichte eines*r Überlebenden von der Kindheit bis ins Heute, erarbeiten mit den Schüler*innen weitere Biografien und sprechen gemeinsam über die Bedeutung des Gelernten im Heute. Die Schüler*innen werden in unseren Workshops zu Expert*innen und schließlich selbst zu Zweitzeug*innen.

 

»ich finde das deine Lehrerin unfair war einfach so eine 5 zu vergeben weil man ein Jude ist, ich wäre sauer gewesen« [Schülerin, 8 Jahre]

 

Identifikation und Mitgefühl

Jede*r Überlebende hatte ein Zuhause und ein Leben vor dem Krieg. Sie waren ganz normale Kinder und Jugendliche – mit Hobbies, Freunden und Lieblingsfächern. Da die Lebensgeschichten der HEIMATSUCHER bereits im Kindesalter beginnen, bieten sie Identifikationsmöglichkeiten für Schüler*innen jeden Alters. Erna de Vries erzählte beispielsweise: »Ich war wütend und ärgerlich, wenn ein Kind mir in der Schule sagte: ›Ich will nicht mit dir spielen, du bist ein Jude.‹« Über Parallelen beginnen die Schüler*innen sich in die Überlebenden hineinzuversetzen. Sie fühlen mit und eine persönliche Verbindung zwischen ihnen, den Überlebenden und Geschichte entsteht.

Hoffnung und selber Handeln

Vorbilder ermutigen zum Handeln. Jedes Interview stellt auch das Leben nach dem Holocaust dar. Die Zeitzeug*innen leben eindrücklich vor, dass sich der Kampf gegen rassistische Ideologien lohnt. Sie werden zu Vorbildern, die die Schüler*innen aus dem Schrecken des Holocaust bis in die Gegenwart führen. Ohne zu bagatellisieren wird auf diesem Weg das zweite Teilziel unserer Arbeit erreicht: den Holocaust als ein aktuelles Thema darzustellen, das zum Handeln ermutigt.

Jungen-schreiben

Die Entwicklung unseres didaktisch Konzepts erfolgte gemeinsam mit Pädagog*innen und orientiert sich an den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Holocaust-Education. Doch sind es nicht zuletzt der Dialog mit den Schüler*innen, sowie ihre Briefe an die Überlebenden, die uns immer wieder zeigen, wie unmittelbar die Geschichten der HEIMATSUCHER bewegen.