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Alles, aber nicht gewöhnlich – Zu Besuch bei Shoshana

Wir staunen nicht schlecht, als wir vor dem Altersheim aus dem Bus steigen – Heim ist nicht das passende Wort. Residenz? Ressort? – Wir sind heute Abend zu fünft und sehr gespannt: Rebecca und Vanessa waren im letzten Jahr schon bei Shoshana und freuen sich sie wiederzusehen. Doch seit dem letzten Besuch ist die resolute Shoshana in diese Altersresidenz umgezogen und wir wissen nicht, was uns erwartet.

Als Shoshana die Tür öffnet wird schnell klar: Genauso wie das Gebäude kein typisches Altersheim ist, so ist diese Dame weder schwächer noch älter geworden. Aufmerksam und kritisch beäugt sie uns. Warum sind wir Singles? Was machen wir beruflich? Haben wir noch genug Kekse? Kaffee? Schreibe ich etwa mit, was sie sagt? – Doch sie sorgt sich nicht nur um uns. »Die Welt ist abnormal auf verschiedenste Art und Weise«, sagt sie, und dass sie sich Sorgen macht, dass es noch einmal Krieg gibt. Mit großer Sorge beobachtet sie die weltpolitischen Entwicklungen, doch sie hat auch Hoffnung: »Den Kindern gehört die Zukunft«, sagt sie, als wir ihr die Briefe von Schüler*innen aus Deutschland überreichen, »und ich hoffe, dass sie sie besser machen als sie war – oder als sie ist.«

Shoshana träumt noch immer vom Frieden für Israel und vom Frieden auf der ganzen Welt. Sie sagt, wir machen die Welt mit unserer Arbeit besser und umarmt uns zum Abschied alle so herzlich, als würden wir sie schon ewig kennen.

In den letzten dreieinhalb Stunden haben wir eine starke, außergewöhnliche Frau kennengelernt. Wir sind müde, als wir uns in der Eingangshalle auf die Suche nach Shoshanas Lieblings-Skulptur machen. Shoshana hätte uns am liebsten noch bis tief in die Nacht unterhalten.

Yasemine-Valérie Hemp