Bildungsfahrt nach Auschwitz

Wir waren vom 24. bis 30.08. für eine Woche im Zentrum für Dialog und Gebet in Oswiecim neben dem ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz. Wir, das heißt, Sarah und Janika von HEIMATSUCHER e.V., 18 Studierende der Hochschule Niederrhein und zwei Betreuer des katholischen Hochschulzentrums LAKUM in Krefeld, das diese Bildungsfahrt angeboten haben.

Nach drei Vortreffen fuhren wir im Morgengrauen los und kamen knapp dreizehn Stunden später in Oswiecim an.
Gleich in den ersten zwei Tagen hatten wir Führungen durch das Stammlager (Auschwitz 1) und das Außenlager Auschwitz-Birkenau – jeweils vier Stunden. Wir haben in kurzer Zeit sehr viel erfahren, gefühlt und nachgedacht. Das war physisch und psychisch anstrengend und jede*r ist mit den Eindrücken anders umgegangen.
Gut war dabei, dass man sich immer in der Gruppe austauschen und Gedanken teilen konnte.

Die nächstgelegene Stadt Oswiecim, die mit ihrem schweren Ruf kämpft, haben wir auch besucht, die Spuren des ehemals regen jüdischen Lebens verfolgt und dabei mehr über das Judentum erfahren. Bei unserem Tagesausflug nach Krakau konnten wir dieses Wissen umgesetzt sehen, denn in Krakau gibt es noch viele alte Synagogen und auch ein wieder aufblühendes jüdisches Leben. Den Tag voller Eindrücke haben wir abends in einem jüdischen Restaurant bei Klezmer Musik ausklingen lassen.

 

Eine ganz besondere Begegnung war für viele der Studierende das Gespräch mit dem Zeitzeugen Waclaw Dlugoborski, der als polnischer politischer Häftling Auschwitz-Birkenau überlebt hat. Seine Lebensfreude und Offenheit hat uns sehr berührt. Für viele war es das erste Zeitzeugengespräch und Herr Dlugoborski hat uns mit seiner Art die Unsicherheit genommen, so dass wir uns getraut haben alle Fragen zu stellen, die uns auf dem Herzen lagen und mit gemeinsamen Lachen aus dem Thema heraus ins Heute finden konnten.

Die Studierenden hatten Zeit all diese Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten und auszudrücken in Form von Texten, Bildern oder Videos. Hier sind sehr viele kreative und nachdenklich machende Werke entstanden, die wir hoffentlich bald teilen können.

Seit gestern sind wir wieder zu Hause. Wir sind nachhaltig beeindruckt und beschäftigen uns weiter mit der Frage, was für Konsequenzen wir persönlich und konkret aus Auschwitz ziehen sollen. Diese Frage haben wir auch vor Ort intensiv reflektiert: Was kann und soll man aus den persönlichen Erfahrungen an diesem Ort lernen und mitnehmen? Was wollen wir den Leuten, die nicht dort waren, mitteilen? Was antworten wir denen, die sagen: Was geht es uns junge Menschen an, was damals passiert ist? Warum sollten wir uns damit beschäftigen?

Zu all diesen Fragen kann man keine allgemeingültige Antwort treffen, aber wir haben das Gefühl der Lösung etwas näher zu sein. Besonders beeindruckt haben uns zu diesem Thema die Worte Schwester Marys aus Irland, die im Zentrum als Gruppenbetreuerin arbeitet und uns einen Abend besucht hat: Sie sagte uns, dass Auschwitz nicht mehr existiert – man kann es nicht erleben oder nachfühlen, wenn man nach Oswiecim kommt. Unsere Verantwortung ist dafür umso greifbarer, jetzt und in der Zukunft! Sie meinte auch, dass es nicht genug ist einfach nur zu sagen, dass es niemals wieder passieren darf. Das sei zu einfach und nur ein Slogan. Man müsse Verantwortung aus dem Geschehenen ziehen für sich und seine Taten heute wie in der Zukunft. Dies müsse nichts Großes sein, aber etwas konkretes und sie war sehr begeistert von unserer Arbeit mit HEIMATSUCHER e.V.!

Auf die Frage »Wo war Gott?«, antwortete sie, ob die wichtigere Frage nicht sei »Wo waren die Menschen?«

Was ist HEIMATSUCHER?

Wir von HEIMATSUCHER e.V. interviewen Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentieren ihre Geschichten und erzählen sie dann in Schulklassen und unserer Ausstellung weiter. Der Überlebende Elie Wiesel sagte einmal: »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« Und so sehen wir unseren Auftrag darin, als »Zweitzeug*innen«, (junge) Menschen stark gegen jegliche Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu machen. HEIMATSUCHER e.V. ist laut § 78 SGB VIII anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

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