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Chanoch Mandelbaum

Als eines von vielen Kindern aus Deutschland nach Holland geschickt, konnte Chanoch Mandelbaum, den man zu der Zeit noch Heini nannte, dank seiner zionistischen Gesinnung noch bis 1943 in Westerbork bleiben. Unter dem Vorwand, nach Palästina ausgetauscht zu werden, kam er dann nach Bergen-Belsen und überlebte als einer von wenigen die letzte Fahrt eines Judentransports den Verlorenen Zug. Sein Leben lang arbeitete er, vom zionistischen Grundgedanken angetrieben, in und für Israel – ein Israel das sich enttäuschender Weise immer mehr von dem einstigen Traum entfernt.

»Man hat doch geredet. Wir haben immer alles gewusst, gehört. Von wo hat man’s gehört? Die JPA – Jüdische Plattfußagentur. Warum? Juden haben viel Plattfüße gehabt, das war bekannt.«

geboren 1923 in Deutschland, lebt heute in Jerusalem

Chanoch Mandelbaum geht es körperlich sehr schlecht. Trotzdem hat er die große Anstrengung auf sich genommen, mit uns zu reden und sich für die Fotos umzusetzen. Obwohl es ihm große Schmerzen bereitet. Er kämpft noch immer. Darum, dass man ihm und den anderen Überlebenden Gehör schenkt, sich ihre Geschichten einprägt und sie nicht in Vergessenheit geraten lässt.

Als junger Mann ist Chanoch damals mit der Liebe seines Lebens und großen Hoffnungen in das gelobte Land gekommen. Stolz schwingt in seiner Stimme mit, als er erzählt, wie er als Schreiner den ersten Nagel in seinen Staat Israel schlug. Der Tisch, den er damals für die Verkündung von Israels Unabhängigkeit schreinerte, kann noch heute besichtigt werden. Die Visionen von damals jedoch scheinen mit Chanoch Generation zu verschwinden. Das macht ihn traurig und wütend.

Doch es gibt auch Schönes. Das Mädchen, das er nach dem Krieg in Paris ansprach, ist seit über 65 Jahren mit ihm verheiratet. Sie sitzt während unseres Gesprächs an seinem Bett und achtet darauf, dass er sich nicht zu sehr anstrengt. An der Wand hängt eine Collage mit dem Stammbaum der beiden. Es sind seine vielen Kinder, Enkel und Urenkel, die Chanoch bei jeder Erwähnung lächeln lassen.

Zur Mittagszeit verabschieden wir uns. Chanoch ist erschöpft. Dennoch betont er, wie wichtig es ihm ist, dass wir seine Geschichte weiter geben. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, zu sprechen solange er noch kann. Während wir durch den Hausflur laufen, geht uns ein Gedanke durch den Kopf: Überlebende, die wegen einer Gesellschaft, für die es einfacher ist, zu verdrängen, nicht loslassen können.

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» Fragen? Schreib Chanochs Zweitzeugin Sarah.