Djorde Alpar

Djorde Alpar

Djordje Alpar

Djordje Alpar wurde am 28. Januar 1922 in Ungarn geboren. Er wuchs glücklich und unbehelligt zusammen mit seinem älteren Bruder und seinen Eltern in Belgrad auf. 1938 verbrachte Djordje ein Schuljahr in Wien und erlebte hier nach der Machtübernahme zum ersten Mal Judenhass am eigenen Leib. Mit dem Erlebten im Gedächtnis, kehrte er nach Belgrad zurück und schloss sich 1941, gleich nach Beginn des Krieges in Serbien, den Partisanen an. Im Kampf gegen die Nazis stieg er schnell in der Hierarchie seiner Gruppe bis zur Gruppenleitung auf. Er überlebte diese schwierige Zeit und begann mit einer guten Arbeitsstelle bei einer großen Firma ein neues Leben in Belgrad. Dort lernte Djordje seine Ehefrau Lili kennen. In den 1960er Jahren wanderten die beiden aus beruflichen Gründen nach Deutschland aus, wobei ihre Heimat im Herzen doch immer Israel sein wird.

„Wir waren Feinde und mussten uns wehren. Entweder wir oder Sie.“

lebte bis zur seinem Tod Anfang 2018 in Frankfurt am Main

Eine lebensfrohe Einstellung, das ist es, was die Alpars sich ihr Leben lang beibehalten haben. Djordje Alpar war während unserer Begegnungen fröhlich und offen. Seine Frau Lili, die unser Interview begleitete, sah er immer wieder rückversichernd an. Frau Alpar war ruhiger, in ihren Aussagen sehr bedacht, gastfreundlich und in sich ruhend.

Wir kontaktierten Herrn Alpar mit einem Brief nachdem wir ihn in einer Dokumentation gesehen hatten. Seine Frau Lili erzählte uns später, wie stolz er auf diesen Brief war und dass er ihn all seinen Freunden gezeigt hatte. Bei unserem ersten Kennenlernen lächelte uns ein weißhaariger Mann an, in dessen Augen deutlich der Schabernack zu sehen war. Gern wollte er uns seine Geschichte erzählen, brachte zum ersten Treffen schon Fotos und einen Lebenslauf mit. Für uns ein sehr außergewöhnlicher Lebenslauf, trafen wir doch zum ersten Mal jemanden, der aktiv im Widerstand gekämpft hatte. Dementsprechend aufgeregt waren wir vor dem Treffen. Doch schon beim Betreten der Wohnung der Alpars war diese Nervosität verflogen. Das Ehepaar begegnete uns herzlich, freute sich über unseren Besuch und servierte uns sogar Kuchen, von dem wir ohne Widerrede zwei Stückchen essen mussten.

Djordje und Lili Alpar waren sehr vertraut und liebevoll miteinander, schauten sich beim Erzählen immer wieder an und ergänzten einander. Beide haben Unaussprechliches erlebt und vor allem Frau Alpar konnte man den Schmerz der Erinnerungen anmerken. Herr Alpar wirkte sehr stolz auf seinen Weg, erklärte uns seinen Aufstieg als Soldat im Widerstand und immer wieder machte er klar, wie wichtig Bildung und Aufstieg für ihn waren und sind. Das Schicksal schweißte die beiden zusammen, bereits drei Monate nach ihrem Kennenlernen heirateten die Alpars und sie führen eine bis heute glückliche Ehe ganz ohne Rezept dafür. Vielleicht wirken beide auch darum stark und gefestigt und interessierten sich auch für uns und die Liebe in unserem Leben. Herr Alpar machte immer wieder Witze über noch fehlende Heiratsanträge bei uns, während seine Frau lachend zugab, sich an keinen Antrag seinerseits zu erinnern. Und so lachten wir schließlich alle zusammen.

Mit Bewunderung schaue ich auf dieses freundliche, fröhliche und gastfreundliche Ehepaar und den Zusammenhalt, den sie uns offenbarten. Die Entschlossenheit und Selbstverständlichkeit, mit der beide gegen die Nazis vorgegangen sind, hat mich tief beeindruckt.

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