Insights, Allgemein

»Das, was Sie erlebt haben, kann kein einziges Geschichtsbuch erzählen!«

Noch so kurz vor Ende des Jahres 2018 durften wir eine kleine HEIMATSUCHER-Premiere feiern. Am 10. Dezember hatten wir die Gelegenheit unser erstes HEIMATSUCHER-Bildungsprojekt in Berlin durchzuführen. Dies freut uns umso mehr, da Berlin als Bundeshauptstadt natürlich unheimlich viele tolle und spannende Projekte zu bieten hat, die Schüler*innen die Möglichkeit geben, sich mit der Zeit des Nationalsozialismus und den Überlebenden dieser Zeit auseinander zu setzen.

Eine umso größere Ehre war es für uns an diesem Tag die Schüler*innen der Ellen-Key-Schule in Berlin Friedrichshain auf die bald anstehende Fahrt in die Gedenkstätte Auschwitz nach Polen vorbereiten zu dürfen. Die Schüler*innen hatten zuvor bereits die Gedenkstätte Sachsenhausen im nicht weit entfernten Oranienburg besucht und brachten viele Fragen und Gedanken mit.

Lily Prollius erzählte an diesem Tag erstmals die Lebensgeschichte von Professor Gerhard Baader, der bis heute Geschichtsprofessor am Friedrich-Meineke Institut der Freien Universität in Berlin ist und zudem am Institut für Medizingeschichte arbeitet. Lily leitete ihre Erzählung mit einem Ausschnitt des erst im September 2018 geführten Interview mit Herrn Baader ein. Die Schüler*innen lauschten der Stimme Herrn Baaders, die von einem charakteristischen Wiener Akzent geprägt ist und einen Eindruck über seinen Charakter und seinen charmanten Witz vermittelt.

Die Schüler*innen ließen sich auch von dem Tatendrang Herr Baaders inspirieren, der sich  bis heute in verschiedenen Funktionen, zum Beispiel in der Berliner Synagoge an der Oranienburger Straße oder auch als stellvertretender Vorsitzender von »Child Survivors Deutschland e.V. – Überlebende Kinder der Shoah« engagiert. Als junger Mann musste er als Sohn einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters Zwangsarbeit in Wien leisten.

Die Jugendlichen der Ellen-Key-Gesamtschule waren sichtlich beeindruckt von Gerhard Baader. Sie stellten viele tiefgründige Fragen und wir diskutierten über Themen wie Täterschaft im Nationalsozialismus, aber auch über Engagement und Zivilcourage im Heute.

Wir fragten Herrn Baader, wie jeden Menschen, den wir für HEIMATSUCHER interviewen, was sich dieser von unserer Generation heute wünschen würde. Sein Wunsch, dass wir

»bereit zum Engagement sind, bereit zum Einsatz, Einzustehen für eine menschenwürdige Gesellschaft, in der für uns alle Platz ist.«

inspiriert nun nicht nur uns, sondern viele Schüler*innen und wir freuen uns darauf seine Geschichte noch vielen weiteren Schüler*innen erzählen zu können.

Ksenia Eroshina