Neues Zeitzeugen-Interview: Gerhard Baader

Gerhard BaaderGerhard Baader wurde 1928 in Wien geboren. Als Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters blieb er von den Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager verschont. Ab 1942 musste er Zwangsarbeit leisten. Heute lebt und lehrt der 90-jährige, »angeblich emeritierte« Universitätsprofessor in Berlin. Er engagiert sich bei der SPD und ist als Gabbai (jüdische Person zur Unterstützung des synagogale Betriebes) bei der Oranienburger Synagoge in Berlin tätig. Sein Gerechtigkeitssinn und sein Engagement, sowohl politisch als auch in der Berliner Synagoge, bewegen und inspirieren uns sehr.  

»Wenn wir nicht in der Lage sind, ein Leben zu schaffen, das für uns alle lebenswert und lebenswürdig ist, dann können wir zusperren. «

Gerhard Baader geboren 1928 in Wien, lebt heute in Berlin

Wir hatten die Möglichkeit, Gerhard Baader in seiner Wohnung in Berlin zu besuchen und zu interviewen. Schon nach wenigen Minuten tauchten wir in seine außergewöhnliche und spannende Welt ein, als er uns mehrere Fotoalben von seiner Kindheit und von seinen Eltern zeigte. Herr Baader begann direkt von sich aus, mit leiser Stimme zu erzählen. Auf die Frage hin, wie er Diskriminierung und Zwangsarbeit durchstehen konnte, antwortete Herr Baader, dass der Zusammenhalt in der Gruppe sehr wichtig war – man hat sich gegenseitig geholfen.

Der Zusammenhalt war es auch, der ihm nach 1945 die Kraft gab, weiterzumachen. Er holte seine Matura nach und begann zu studieren. Erst Chemie, dann wechselte er zu Geschichtswissenschaft. Besonders Herrn Baaders politisches Engagement sticht aus seiner Lebensgeschichte hervor. Als überzeugter Sozialdemokrat versuchte er, für eine offene und gerechtere Gesellschaft einzustehen.

Aufgeben und Stillstand sind für Herrn Baader keine Optionen, dies wird in seiner Erzählung deutlich. Sein bewegtes Leben spiegelten die prallgefüllten Bücherwände, die vielen Fotografien, die Auszeichnungen und die Kunst in seiner Wohnung wider. Unsere Begegnung mit Herrn Baader hat nicht gereicht, um all seine Facetten zu ergründen, aber der Eindruck bleibt nachhaltig: Seine bedingungslose Nächstenliebe und sein bis heute so starkes Engagement für Menschen vielfältiger Hintergründe bewegten uns sehr.

What is HEIMATSUCHER?

Wir von HEIMATSUCHER e.V. interviewen Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentieren ihre Geschichten und erzählen sie dann in Schulklassen und unserer Ausstellung weiter. Der Überlebende Elie Wiesel sagte einmal: »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« Und so sehen wir unseren Auftrag darin, als »Zweitzeug*innen«, (junge) Menschen stark gegen jegliche Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu machen. HEIMATSUCHER e.V. ist laut § 78 SGB VIII anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

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