HEIMATSUCHER-Methoden für die Bildungsprojekte

Am 8. und 9. Juni 2019 stand der zweite Teil unserer Multiplikator*innen-Schulung an. Hier könnt Ihr lesen, was wir beim ersten Treffen gelernt und erlebt haben. Wir trafen uns erneut im »Viel-Respekt-Zentrum« in Essen, in dem wir uns schon sehr heimisch und wohl fühlten.

Der Samstag war ein reich ausgefüllter Tag: Wir lernten die vom Bildungsteam neu erarbeiteten Methoden-Leitfäden für die Bildungsprojekte kennen. Dazu gehören Leitfäden für Einstiegsmethoden, zum Erarbeiten und Erzählen der (Über)Lebensgeschichte, aber auch zu Methoden der Wissenssicherung und des Transfers ins Heute in HEIMATSUCHER-Bildungsprojekten. Nach einer herzlichen Begrüßung begannen wir damit das HEIMATSUCHER-Projektangebot für Bildungseinrichtungen kennenzulernen und verschiedene Methoden dieser Bildungsprojekte zu erproben. Unsere Schulungsleiterinnen Ksenia, Vanessa und Christine blieben geduldig mit uns und hatten viele motivierende Worte – die Materialien waren umfassend und intensiv. Die Drei schufen eine Atmosphäre, die allen sehr half, uns einzuarbeiten und mit Freude weiterzumachen.

Sehr anschaulich war es, jede  der 12 HEIMATSUCHER-Methoden einmal selber als Gruppe oder in Partner*innenarbeit durchzuführen. So z.B. die vom Anne Frank Zentrum Berlin entwickelte Methode »Ein ganz normaler Tag«: Hier sammeln wir gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen an der Tafel oder in Kleingruppen alles, was für uns zum Alltag gehört: Aufstehen, Frühstücken, in die Schule gehen, Freunde treffen, Fußball spielen, Netflix schauen und vieles mehr. Danach reflektieren wir gemeinsam in der Gruppe, was den während des NS-Regimes verfolgten Menschengruppen durch zahlreiche erlassene antijüdischen Gesetze genommen und überlegten, was uns in unserem aktuellen Alltag fehlen würde bzw. wie es uns damit erginge. 

Wir haben während der Ausbildung mögliche Reaktionen der Kinder und Jugendlichen besprochen, um gut auf die Projekte vorbereitet zu sein. So führten wir nach und nach jede didaktische Methode, die in den verschiedenen Bildungsprojekten von HEIMATSUCHER e.V. vorgesehen ist, einmal durch. Wir reflektierten unsere Eindrücke der Methoden, die Herausforderungen und Chancen, die mit unseren HEIMATSUCHER-Methoden für Bildungsprojekte einhergehen. Zudem probierten wir die Instruktionen und Rahmenbedingen anhand der neu erarbeiteten Methoden-Leitfäden aus.

»Wie ginge es uns damit?« »Welche Auswirkungen hätten diese Gesetze auf mein Leben und das meiner Familie?« 

Gedanken der Multiplikator*innen

Nach dem anschließenden Mittagessen im Außenbereich eines gemütlichen Restaurants in der Innenstadt ging es noch einmal an die Leitfäden, um mit den Schüler*innen die Erfahrungen durch die gehörten Überlebensgeschichten in das Heute übertragen zu können. 

Sonntagvormittag trafen wir uns bei bestem Sommerwetter vor der »Alten Synagoge« in Essen, die heute als Museum genutzt wird und in der wir eine sehr interessante Führung durch die Ausstellung über jüdisches Leben und die Geschichte der ehemaligen Synagoge erleben durften. 

»Wie gehe ich mit den Menschen um, denen ich begegne?«  »Wie möchte ich, dass mir begegnet wird?« »Was kann ich tun?« »Was nehme ich aus dem HEIMATSUCHER-Projekt mit?«

Gedanken der Multiplikator*innen

Beide Tage waren reichlich gefüllt mit thematischem Input, aber auch mit Lachen und persönlichen Gesprächen. Durch die ehrliche und offene Art der Teilnehmer*innen und die besonders herzliche emotionale Wärme unserer Schulungsleiter*innen entstand schnell ein Verbundenheitsgefühl innerhalb der Gruppe. Mit den Terminen für die ersten Teamteachings im Kalender, an denen wir bereits Aufgaben in den Schulprojekten mit übernehmen, verabschiedeten wir uns am Sonntagnachmittag voneinander. Ich denke, dass alle mit vielen Eindrücken und einem sicheren Gefühl für die Schulprojekte nach Hause fahren konnten sowie mit viel Vorfreude auf die kommende Zeit!

Als Abschluss unseres Berichts noch ein herzliches »Danke« an Ksenia, Vanessa und Christine für Eure Arbeit, die Ihr mit Herz, Kopf und Hand ausfüllt und dafür, dass Ihr so wunderbar und inspirierend seid! Man merkt, dass Euch die Menschen, deren (Über-)Lebensgeschichten Ihr erzählt, und ihre Botschaft wirklich wichtig sind.

Abends sahen wir gemeinsam den HEIMATSUCHER-Film »Auf gute Nachbarschaft« über die besondere Freundschaft zwischen Siegmund Plutznik und Carlo Lietz. Nach diesem emotional berührenden Erlebnis beendeten wir diesen interessanten Tag in gemütlicher Runde.

Ohne die Unterstützung des VielRespektZentrums in Essen, welches uns kostenlos Verpflegung, Räumlichkeiten und Schlafplätze zur Verfügung gestellt hat, wäre dieses produktive Wochenende nicht zustande gekommen. Vielen Dank!

Kirsten Föckeler (Multiplikatorin in Ausbildung im HEIMATSUCHER-Bildungsteam)

What is HEIMATSUCHER?

Wir von HEIMATSUCHER e.V. interviewen Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentieren ihre Geschichten und erzählen sie dann in Schulklassen und unserer Ausstellung weiter. Der Überlebende Elie Wiesel sagte einmal: »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« Und so sehen wir unseren Auftrag darin, als »Zweitzeug*innen«, (junge) Menschen stark gegen jegliche Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu machen. HEIMATSUCHER e.V. ist laut § 78 SGB VIII anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

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