Offene Diskussion um Werte & Visionen von HEIMATSUCHER

HEIMATSUCHER Wochenende in Osten

An einem nebligen Abend im fernen Osten, das eigentlich im nördlichen Niedersachsen liegt, haben wir unser viertes HEIMATSUCHER-Wochenende bestritten. 

Angereist aus fünf unterschiedlichen Bundesländern, haben sich 15 der rund 70 aktiven Ehrenamtlichen in einem wunderschönen Landhaus im verschlafenen Dorf Osten eingefunden. Nach einer kurzen, euphorischen Begehung des Hauses und der groben Zuordnung der Schlafräume wurde uns von den beiden Organisatorinnen des Ehrenamtlichen-Wochenendes, Katharina und Sarah, in der Lobby das HEIMATSUCHER-Postamt gezeigt, in dem man kleine Briefe für die anderen Ehrenamtlichen hinterlegen konnte. Im Laufe des Wochenendes füllten sich so nach und nach die Briefumschläge, die wir mitsamt schönen Nachrichten und Briefen mit nach Hause nehmen konnten.

Zurück in der Küche konnte es dann richtig losgehen. Es begann mit einer ersten Vorstellungsrunde, da sich einige der neuen Ehrenamtsmitglieder noch nicht persönlich kannten, mit positivem Spekulieren und fröhlichem Beruferaten: Von A wie Architekt*in bis S wie Sozialarbeiter*in war alles vertreten.

Es folgte der Jahresrückblick (»Die gefühlte Wahrheit«) mit den Highlights des Jahres 2016: Dinge, die nicht so gut funktioniert haben, und Dinge, die den Verein in der Netzwerkarbeit und der Professionalität nach vorne gebracht haben. Beim gemütlichen Essen ließen wir den ersten Abend ausklingen, bis dann nach Mitternacht der letzte Wagen voll weit gereister Ehrenamtler*innen ankam und die gesamte Truppe schließlich todmüde ins Bett fiel.

Der Samstag startete im Postamt, in dem schon die ersten eifrigen Liebesboten ihre Briefchen verfassten und aufwändig dekorierten. Nach dem Frühstück begannen wir mit einer ersten Teamphase, in der in kleineren Gruppen unterschiedliche Themen bearbeitet wurden, unter anderem das pädagogische Konzept, die Koordination der Zeitzeug*innen-Betreuung und eine Spender*innen-Wunschliste. In der zweiten Arbeitsphase ging es um die Herausarbeitung der HEIMATSUCHER-Grundwerte; für jede*n Einzelne*n und für die ganze Gruppe. Die Diskussion war wie erwartet vielschichtig und die Ergebnisse dementsprechend spannend.

Am Nachmittag, nach einem kleinen Spaziergang für die einen und einem Mittagsschläfchen für die anderen, widmeten wir uns frisch gestärkt dem (leidigen) Thema der Finanzen. Da wir fast ausschließlich durch Spendengelder finanziert werden, und wir immer noch Schwierigkeiten haben, nach dringend benötigten Spendengeldern zu fragen, wollten wir uns der Herausforderung stellen, wie wir in  Zukunft die wichtige Arbeit mit den Zeit- und Zweitzeug*innen finanzieren können.

In einem mitreißenden Vortrag führte uns Rudi in die Grundlagen des Fundraisings ein, nachdem uns zuvor Christoph von der »Sendung mit der Maus« in einer alten Folge über Sinn und Zweck des Geldes aufgeklärt hatte. Manfred, unser Schatzmeister, beschloss den Themenblock »böses Geld« mit einem Überblick über den HEIMATSUCHER-Finanzplan 2017 und einer allgemeinen Frage-und-Antwort-Runde. Hier wurden in einem »Kamingespräch« Anliegen von allen Mitgliedern besprochen, die sonst auf der Agenda keinen Punkt gefunden hätten.

Nachdem der Vormittag von Koordination und Organisation geprägt war und wir uns am Nachmittag mit Realisierung und Finanzierung beschäftigt hatten, war der Abend ganz und gar den Emotionen gewidmet. Jede*r Ehrenamtliche hatte einen Gegenstand mitgebracht, der ihn an seinen HEIMATSUCHER-Moment erinnerte. Die Geschichten waren so vielseitig wie ihre Erzähler*innen, und auch wenn wir bei HEIMATSUCHER schon an große Emotionen gewohnt sind, war dieser Abend der wohl emotionalste, den wir je im Kreis der Ehrenamtlichen erleben durften.

Wir sprechen garantiert im Namen aller Anwesenden, wenn wir sagen, dass uns das Teilen dieses besonderen Moments noch enger aneinander geschweißt hat. Keiner von uns wird dieses Wochenende und vor allem diesen Abend so schnell wieder vergessen.

Dieser Artikel wurde verfasst von Simone und Steven.

What is HEIMATSUCHER?

Wir von HEIMATSUCHER e.V. interviewen Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentieren ihre Geschichten und erzählen sie dann in Schulklassen und unserer Ausstellung weiter. Der Überlebende Elie Wiesel sagte einmal: »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« Und so sehen wir unseren Auftrag darin, als »Zweitzeug*innen«, (junge) Menschen stark gegen jegliche Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu machen. HEIMATSUCHER e.V. ist laut § 78 SGB VIII anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

Du möchtest unser Projekte gerne unterstützen?

Es gibt viele Wege uns zu helfen und eine tolerante Gesellschaft mitzugestalten: Hilf uns

Spenden