Zu Besuch bei Herr Polednik

Nachruf Eberhard Polednik

Herr Polednik war immer ein viel beschäftigter Mann: Entweder er bekam Besuch oder er war mit anderen Bewohner*innen der Budge-Stiftung verabredet oder irgendwo im Haus unterwegs. Viel Zeit verbrachte er auf der stationären Abteilung des Seniorenheims, wo er sich viel Zeit nahm, um die Bewohner*innen zu füttern, mit ihnen zu reden und zu lachen.

Eberhard Polednik wohnte viele Jahre in der Budge-Stiftung. Er kümmerte sich nicht nur außerordentlich aufmerksam um seine Mitbewohner*innen, sondern war auch bekannt und beliebt wie ein »bunter Hund«. Er war ebenfalls ein enger Freund von Siegmund Pluznik. Herr Poledniks Empathie, Mitmenschlichkeit, sein Humor und sein Strahlen haben uns immer mitgerissen. Er hatte eindeutig den »Schalk im Nacken« und »das Herz am richtigen Fleck«.

Wenn wir bei Herr Polednik zu Besuch kamen, warteten immer viele kleine Snacks und frisch gepresste Säfte auf uns – und wir wurden stets aufgefordert, diese doch gefälligst auch zu uns zu nehmen. So hatten wir lustige, aber auch sehr traurige Gesprächsthemen bei frisch gepresstem Mandarinensaft. Herr Polednik erzählte offen von seinen Erlebnissen während des Krieges, von seiner Kriegsgefangenschaft und seinem Leben nach 1945. Meist erzählte er so vielen Anekdoten, dass wir nur so von Thema zu Thema hüpften und die Zeit viel zu schnell vorbei ging.

Anja und Eberhard Polednik

Einen Besuch bei Herr Polednik werde ich nie vergessen und ich finde, er zeigt sehr gut, was für ein toller Mensch er war. Wir waren angereist, um von ihm das Einverständnis für sein transkribiertes Interview zu erhalten. Wir brachten es ihm und besuchten, während er die vielen Seiten lesen sollte, andere Bewohner*innen. Als wir zurückkamen, machte uns Herr Polednik sehr freundlich darauf aufmerksam, dass bei diesem Transkript vieles durcheinander sei. Wir waren ziemlich geschockt als wir merkten, dass irgendwas mit dem Dokument passiert sein musste, da tatsächlich sehr viele Teile des Interviews völlig durcheinander abgedruckt waren. Uns war das sehr peinlich und unangenehm, aber Herr Polednik blieb vollkommen entspannt und machte sogar noch Witze darüber, dass das wohl ein Westfale Korrektur gelesen haben müsse. Wir versprachen ihm, bald mit einer korrigierten Fassung wieder zu kommen, und Herr Polednik verlor nie wieder ein Wort darüber.

Herr Polednik erzählte vom Alltag in der Budge Stiftung.

Eberhard Polednik war ein absoluter Lebemann, bei allen bekannt und beliebt und er konnte Menschen stundenlang unterhalten, ohne, dass es je langweilig wurde. Wir von HEIMATSUCHER sind dankbar, dass er uns seine Geschichte erzählt hat und dass wir ihn so viele Jahre kennen und besuchen durften. Wir werden seine Geschichte, in einer neuen Magazinreihe über andere Perspektiven auf den Nationalsozialismus, weitererzählen.

Janika Raisch

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