Nachruf Gerda Rosenthal

Gerda Rosenthal ist am Freitag, den 15.11.2019, im Alter von 102 Jahren in Frankfurt verstorben.

Gerda Rosenthal wurde 1917 als zweites Kind polnischer Einwanderer in Remscheid geboren. Mitte der 30er Jahre gelang ihr als Einzige in der Familie mit Hilfe der Organisation “Kinder- und Jugend-Alijah“ die Ausreise nach Jerusalem, wo sie in einem Heim der Organisation unterkam. In Israel arbeitete sie später als Kindermädchen. Sie heiratete und bekam zwei Kinder. Bis zu ihrem Tod lebte Gerda Rosenthal in der Henry-und-Emma-Budge-Stiftung in Frankfurt am Main. Dort haben wir sie auch  2016 interviewt. 

Persönliche Begegnungen

Janika: Ich hatte die große Freude Gerda Rosenthal mehrmals zu besuchen. Manchmal habe ich sie nur kurz im Cafe oder auf dem Flur des Budge-Heims getroffen und manchmal war ich bei ihr in der Wohnung und wir haben uns lange unterhalten. Egal worüber man mit ihr gesprochen hat, immer ist man irgendwann beim Thema Wuppertal gelandet. Frau Rosenthal liebte diese Stadt und sie liebte es über sie zu reden.

Das letzte Mal als ich Gerda Rosenthal getroffen habe, hat sie mir versprochen, mir ihr berühmtes Brownie-Rezept zu verraten oder mir sogar Brownies zu backen.

Foto: Janika mit Gerda Rosenthal

Als Marina und ich Gerda Rosenthal im Sommer 2016 besuchten, zeigte sie uns die Bücher ihrer Töchter über ihre Familiengeschichte. Wir waren damals da, um Fotos zu machen und die transkribierten Interviews für unsere Magazine zu besprechen, damit sich keine Fehler in unsere Veröffentlichungen schleichen. Ich erinnere mich, dass Frau Rosenthal schon nicht mehr so gut lesen konnte, aber ein Gerät hatte, was Schrift noch viel mehr vergrößert als eine Lupe es kann. 

Kathi: Ich durfte Gerda Rosenthal einmal treffen. Bei diesem Treffen habe ich vor allem etwas über Wuppertal gelernt. Ich als Ostwestfälin wusste bis dahin nicht, dass Wuppertal früher mal eigentlich zwei getrennte Städte waren und auch nicht, dass mal ein Elefant in der Schwebebahn feststeckte. Ich war sehr beeindruckt von der Liebe zu ihrer Heimatstadt und empfand Gerda Rosenthal sehr passend zu unserem Verein, aber gar nicht als Heimatsuchende. 

Marina:  Ich hatte das Glück Frau Rosenthal im Sommer 2016 kennenzulernen. Durch ihre fortgeschrittene Demenz konnte sie sich leider nicht mehr gut an HEIMATSUCHER erinnern, aber als ich ihr erklärte, dass wir ihre Geschichte aufgeschrieben haben und ich ihr das abgetippte Interview zeigte, war sie sofort voller Energie und ich merkte ihr an, wie wichtig es für sie war, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Sie zeigte uns Bücher und Bilder von ihrer Familie und sprach voller Stolz von ihren Kindern.

Auch bei den folgenden Besuchen erzählte sie immer wieder Abschnitte aus ihrer Geschichte, vor allem von ihren Eltern und ihrer Heimatstadt. Manchmal wirkte es so, als sei sie in einer Erinnerung gefangen und nach dem Erzählen wirkte sie erleichtert. Auch wenn Frau Rosenthal sich nach einem Besuch nicht mehr an uns erinnerte, freute sie sich immer über Besuch und begrüßte uns wie alte Freunde. 

Foto: Gerda Rosenthal im Interview

Wir sind dankbar, dass wir Gerda Rosenthal kennen lernen durften und dass sie uns ihre (Über-) Lebensgeschichte anvertraut hat. Wir werden Sie nie vergessen und ihre Geschichte weitererzählen. 

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Was ist HEIMATSUCHER?

Wir von HEIMATSUCHER e.V. interviewen Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentieren ihre Geschichten und erzählen sie dann in Schulklassen und unserer Ausstellung weiter. Der Überlebende Elie Wiesel sagte einmal: »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« Und so sehen wir unseren Auftrag darin, als »Zweitzeug*innen«, (junge) Menschen stark gegen jegliche Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu machen. HEIMATSUCHER e.V. ist laut § 78 SGB VIII anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

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