Neue Zeitzeug*innen-Interviews geplant

Wir wollen Grete Hamburg und Herta Goldman in Israel treffen

Wir durften bisher 32 Zeitzeug*innen des Holocausts besuchen und ihre Lebensgeschichten erfahren. Diese Begegnungen berühren uns tief. Deshalb haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die Geschichten zu dokumentieren und sie vor dem Vergessen zu bewahren. Das ist wohl unsere dringendste Aufgabe. Denn die Kraft der Zeitzeug*innen schwindet. Es fällt ihnen immer schwerer, ihre Geschichte bei Veranstaltungen selbst zu erzählen; viele von ihnen berichten uns von ihrer zunehmenden Müdigkeit. Einige Zeitzeug*innen sind bereits verstorben. Daher ist es umso wichtiger, unsere Vereinsarbeit mit gemeinsamen Kräften fortzusetzen. 

So haben wir im Oktober 2019 die Möglichkeit, die Lebensgeschichten der Zeitzeuginnen Grete Hamburg und Herta Goldman festzuhalten. 

Bitte beachte folgende Information vom 21. August 2018: Leider wird das anfangs geplante Interview mit Yitzhak Reichenbaum aus gesundheitlichen Gründen vorerst nicht stattfinden können. Wir hoffen sehr, dies zu einem anderem Zeitpunkt nachholen zu können. Gute Besserung lieber Yitzhak Reichenbaum!

Neben Greta Hamburg werden wir diesen Herbst in Israel nun die Zeitzeugin Herta Goldman interviewen.

Bald geht es los nach Israel!

»In zwei Wochen fliegen wir nach Israel! Am Sonntag haben sich Wiebke, Janika und Björn mit Stela, Merle und Nicole von der Vereinigung der Kinder vom Bullenhuser Damm in deren Gedenkstätte in Hamburg getroffen. Gemeinsam haben sie die beiden Interviews vorbereitet, die wir zusammen in Israel führen werden Ende Oktober. Unter anderem werden wir Grete Hamburg, die Schwester des am Bullenhuser Damm ermodeten Walter Jungleib, interviewen. Im Rosengarten der Gedenkstätte haben wir Rosen an der Gedenktafel von Walter abgelegt.«

Wer sind Grete Hamburg und Herta Goldman?

Grete Hamburg lebt heute in Israel. Zur Zeit der NS-Diktatur musste sie Zwangsarbeiten verrichten und wurde nach Auschwitz deportiert. Sie verlor während des Holocausts ihre Familie. Ihre Geschwister wurden in Auschwitz von den Nationalsozialist*innen für medizinische Versuche ausgewählt und dafür in das KZ Neuengamme bei Hamburg gebracht. Um die dort an Kindern durchgeführten Experimente zu vertuschen, ermordeten die Nationalsozialist*innen am 20. April 1945 20 jüdische Kinder sowie mindestens 28 Erwachsene. Erst 70 Jahre später erfuhr Grete Hamburg, dass ihr jüngerer Bruder Walter dort ermordet wurde und nicht bei einem Todesmarsch starb.

Herta Goldmann wurde 1941 in verschiedenen Arbeitslagern interniert. Sie überlebte einen Todesmarsch, von dem sie nach neun Tagen Marsch ohne Essen fliehen konnte. Ihre gesamte Familie kam in unterschiedlichen Konzentrationslagern um. Nach 1945 ist sie nach Palästina ausgewandert. Dort heiratete sie und lebt dort bis heute.

Wie läuft eine solche Zeitzeug*innen-Begegnung ab?

Meistens werden unsere Zeitzeug*innen von drei bis maximal fünf Ehrenamtlichen besucht. Die Interviewgespräche selbst führen allerdings nur ein*e bis zwei erfahrene*r HEIMATSUCHER-Interviewleiter*in und ein*e erfahrene*r Fotograf*in durch. Sie begegnen den Zeitzeug*innen zu Hause, um das Interview in einer gewohnten Umgebung zu führen. Aus einem Gespräch heraus entwickelt sich das Interview. Im Nachhinein bereiten wir das Interview in einem Magazin und in didaktischen Materialien auf. So tragen wir die Geschichten der Zeitzeug*innen weiter. 

Die kommenden Interviews in Israel sind in Kooperation mit der Vereinigung »Kinder vom Bullenhuser Damm e.V.« geplant. Sie hat Kontakt zu Shoah-Überlebenden und Angehörigen der ermordeten Kinder vom Bullenhuser Damm in Hamburg. Die Interviews in Israel leiten Wiebke Hiemesch und Janika Raisch in Begleitung des HEIMATSUCHER-Fotografen Björn Helpap sowie drei weitere Personen: Die Vorsitzende, Nicole Mattern, vom »Kinder vom Bullenhuser Damm e.V.« ist ebenfalls dabei und wir ermöglichen zwei Schülerinnen die Teilnahme an den Interviews. Die beiden Schülerinnen haben 2018 für ein Geschichtsprojekt in den Ferien über die Geschichte von Walter Jungleib den Hamburger Bertini-Preis erhalten. Es ist daher ein besonderer Abschluss ihres Projekts nun Walter Jungleibs Schwester zu treffen.

Was bedeutet das Projekt für uns, die Zeitzeug*innen und die Gesellschaft?

Mit Eurer Spende helft Ihr uns dabei, Geschichten wie die der beiden Überlebenden weitertragen zu können. Für die Zeitzeug*innen ist es bedeutsam und emotional, dass wir ihnen zuhören und ihre Lebensgeschichten als Zweitzeug*innen an junge Menschen weitertragen wollen. Wir übernehmen einen Teil der Verantwortung, dass ihre Erinnerungen und Erlebnisse nicht vergessen werden. Interviews sind persönliche Begegnungen und Lebensgeschichten, von denen wir erzählen möchten. Sie bedeuten eine größere Vielfalt und Identifikationsmöglichkeit in unseren Bildungsprojekten.

Wofür spendet Ihr?

Wir benötigen eine Summe von 8.500 Euro für die Realisierung neuer Zeitzeug*innen-Interviews. Der Betrag ermöglicht uns, die Interviews mit Grete Hamburg und Herta Goldman sowie mit weiteren Zeitzeug*innen zu führen. Von diesem Geld finanzieren wir insbesondere die Organisation, Umsetzung, Dokumentation, (wissenschaftliche) Aufarbeitung und Magazin-Druckkosten der Interviews (2.000 Exemplare – zur Ausbildung 2.000 weiterer Zweitzeug*innen). Nach der Durchführung eines Projekts teilen wir unsere Eindrücke über den Newsletter und unsere Website natürlich mit Euch – und informieren Euch, sobald das komplette Interview gedruckt und als Magazin bestellbar ist.

Helft uns dabei, das Geld für neue Interviews zu sammeln! Teilt den Link mit Euren Kolleg*innen, Freund*innen, Bekannten und Eurer Familie oder spendet selbst.

Ein großes Dankeschön an alle Unterstützer*innen! 

Welche Zeitzeug*innen wir bereits getroffen haben, könnt Ihr hier lesen:

Ansprechpartnerinnen:
Janika Raisch (j.raisch@heimatsucher.de) und Pia Weber (p.weber@heimatsucher.de

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Was ist HEIMATSUCHER?

Wir von HEIMATSUCHER e.V. interviewen Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentieren ihre Geschichten und erzählen sie dann in Schulklassen und unserer Ausstellung weiter. Der Überlebende Elie Wiesel sagte einmal: »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« Und so sehen wir unseren Auftrag darin, als »Zweitzeug*innen«, (junge) Menschen stark gegen jegliche Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu machen. HEIMATSUCHER e.V. ist laut § 78 SGB VIII anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

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