Themenführung »Heimat und Trauma«

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Jede Überlebensgeschichte erzählt nicht allein von der Zeit des Krieges. Sie ist auch ein Zeugnis individuellen Umgangs mit dem Erlebten – bis ins Heute. Eindrucksvoll schilderte Sarah Hüttenberend den rund 20 Besucher*innen der Themenführung am 06. März die Lebensgeschichten einiger Überlebender und nebenbei auch die Entstehungsgeschichte des Vereins HEIMATSUCHER. Denn am Anfang stand die Frage »Was wurde eigentlich nach 1945 aus den Überlebenden? Wie ging ihr Leben weiter?«. Darauf gibt es nicht die eine Antwort, wie die Führung zeigte. Rolf Abrahamson wirkte maßgeblich daran mit das jüdische Leben im Ruhrgebiet wieder aufzubauen, Schwester Johanna konvertierte zum Katholizismus und trat einem Ursulinenkloster bei, Shoshanna Maze emigrierte nach Israel, gründete dort eine Familie und fand in dem neu gegründeten Staat eine neue Heimat – um nur einige Beispiele zu nennen. Deutlich wurde, dass keinen die Erinnerungen los lassen. Einige können bis heute nicht über das Erlebte sprechen, andere leiden bis heute unter Albträumen.

Auch auf die Frage, was Heimat bedeutet, ging Sarah ein. Es ist nicht einfach der Ort, an dem man aufgewachsen ist, das Gefühl, ein Dach über dem Kopf zu haben. Heimat bedeutet, sich sicher zu fühlen, ein Teil der Gesellschaft zu sein, als Individuum wahrgenommen zu werden. Dieses Gefühl ist den Opfern des Nationalsozialismus genommen worden. Sie alle sind zu Heimatsuchenden geworden.

Die Führung berührte alle Anwesenden, die interessiert Nachfragen stellten und gerne über die anderthalb Stunden hinaus noch weiter gebannt zugehört hätten.

Die Ausstellung im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten ist noch bis zum 08. Mai 2016 zu sehen.

Die Ausstellung soll zu Ihnen kommen oder Sie haben Interesse an einer Themenführung, kontaktieren Sie uns: telefonisch unter 0176 – 231 732 62 oder per E-Mail an kontakt@heimatsucher.de.

Was ist HEIMATSUCHER?

Wir von HEIMATSUCHER e.V. interviewen Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentieren ihre Geschichten und erzählen sie dann in Schulklassen und unserer Ausstellung weiter. Der Überlebende Elie Wiesel sagte einmal: »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« Und so sehen wir unseren Auftrag darin, als »Zweitzeug*innen«, (junge) Menschen stark gegen jegliche Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu machen. HEIMATSUCHER e.V. ist laut § 78 SGB VIII anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

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