Der Verein

2010 als Studienprojekt entstanden ist HEIMATSUCHER seit Februar 2014 ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Vor allem aber sind wir das Zweitzeug*innenprojekt in der deutschen Bildungslandschaft und Erinnerungskultur. Über die persönlichen Erzählungen von Schoah-Überlebenden macht das Projekt Geschichte nachfühlbar und begreifbarer. Insbesondere junge Menschen verstehen die Bedeutung von Geschichte für ihr eigenes Leben erst durch die Begegnung mit einem Zeitzeug*innen. Doch Zeitzeug*innen werden nicht mehr lange sprechen können. Damit sie zukünftig nicht verstummen erzählen wir als Zweitzeug*innen ihre Geschichten über das Leben vor, während und nach dem Holocaust in Ausstellungen, Workshops und Magazinen sowie unserem Ausstellungskatalog weiter.

Aktuell (Stand Juni 2019) besteht HEIMATSUCHER e.V. aus mehr als 170 Mitgliedern und ca. 120 Ehrenamtlichen. Aktuell beschäftigen wir drei Personen in Teilzeit – in der Geschäftsführung, in der Bildungsarbeit und im Fundraising. Der Verein ist in acht Teams strukturiert: Bildung, Ausstellungen und Veranstaltungen, Zeitzeug*innen, Interview-Aufbereitung, Fundraising, Interne Entwicklung, Kommunikation und Wissenschaftsarbeit.

Was macht HEIMATSUCHER e.V.?

HEIMATSUCHER e.V. ermutigt mit Holocaust-Überlebensgeschichten (junge) Menschen jeder Bildungsschicht dazu, sich vertieft mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinander- und aktiv gegen Antisemitismus und Rassismus im Heute einzusetzen.

unsere-arbeit

Wir interviewen Überlebende der Schoah und bereiten ihre Geschichten auf verschiedene Weisen auf. Wir veröffentlichen sie in Magazinen, die käuflich erworben werden können, präsentieren sie in unserer Wanderausstellung, vor allem aber besuchen wir Schulklassen und Bildungseinrichtungen ab der 4. Jahrgangsstufe.

Überall tragen wir die Geschichten der Schoah für die Zeitzeug*innen weiter – als Zweitzeug*innen. Denn wie Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel einmal sagte:

»Wir, die wir zuhören, können zu Zeugen werden.« Elie Wiesel

Unser didaktisches Konzept

Unsere didaktische Arbeit folgt dabei dem Ganzheitlichkeitsprinzip »Herz – Kopf – Hand«.

1. Herz: Den Kindern und Jugendlichen wird eine Identifikationsmöglichkeit mit einer*m Überlebenden geboten, indem dessen Lebensgeschichte von der Kindheit an bis in die Gegenwart erzählt wird.

2. Kopf: Die Kinder und Jugendlichen erkennen aus den Überlebensgeschichten heraus Mechanismen der Ausgrenzung.

3. Hand: Die Kinder und Jugendlichen werden ermutigt, selbst aktiv gegen Rassismus und Vorurteile zu werden.

Nachdem HEIMATSUCHER e.V. eine Überlebensgeschichte erzählt, erhalten die Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit selbst zu Zweitzeug*innen zu werden, in dem sie sich intensiv mit einer Überlebensgeschichte befassen. Am Ende eines Schulbesuchs können die Kinder und Jugendlichen den Überlebenden einen Brief schreiben, in dem sie ihre Gedanken und Emotionen niederschreiben.

Welche Wirkung hat HEIMATSUCHER e.V.?

Geschichte wird über Identifikation und Mitgefühl persönlich bedeutsam: Die Lebensgeschichten beginnen in einer normalen Kindheit und Jugend. Wir erzählen von den Überlebenden und bieten so Identifikationsmöglichkeiten für jedes Alter.

Vorbilder ermutigen, gegen Rassismus aktiv zu werden. Die Geschichten der Zeitzeug*innen zeigen eindrücklich, dass sich der Einsatz gegen rassistische Ideologien lohnt. Sie werden zu Vorbildern, die die Schüler*innen aus dem Schrecken des Holocaust bis in die Gegenwart führen und dazu ermutigen, Gefühle in Taten umzusetzen: Die Schüler*innen werden zu Zweitzeug*innen. Sie geben selbst die Geschichten aktiv weiter. Insbesondere die Briefe an die Überlebenden zeigen immer wieder eindrücklich, dass die Schüler*innen keinen Unterschied zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen, Hautfarbe oder Herkunft machen.

Woher kommt der Name »HEIMATSUCHER«?

HEIMATSUCHER war der Titel unserer ersten Ausstellung und ist bis heute identitätsstiftend für unseren Verein. Die Gründe für die Wahl des Namens bestehen noch bis heute: Wir haben viele unterschiedliche Menschen getroffen. Menschen die glauben, Menschen die gar nicht glauben, Menschen die sich französisch, deutsch oder ungarisch fühlen, die in einer großen Familie aufgewachsen sind oder als Einzelkind. Menschen die durch Lager gegangen sind, die sich versteckt haben, die geflohen sind. Und doch haben all diese Menschen etwas gemeinsam: Sie haben ihre Heimat verloren – im geografischen Sinne, aber auch das Gefühl von Sicherheit, Zugehörigkeit und Anerkennung. Wir haben Menschen getroffen, die überlebt haben und die die Kraft hatten, sich etwas Neues aufzubauen. Sie haben sich auf die Suche nach einer neuen Heimat gemacht. Ob diese gefunden wurde können wir nicht beurteilen, denn der Verlust ist bei allen bis heute präsent und spürbar. Deswegen bleibt es im Titel offen. Es ist kein hoffnungsloser Titel, der das Finden einer Heimat ausschließt. Aber es ist ein Titel, der nicht selbstverständlich davon ausgeht, dass alles gut und vor allem abgeschlossen oder vergessen ist.

HEIMATSUCHER e.V. in Zahlen

HEIMATSUCHER ist 2010 als Studienprojekt entstanden und seit 2014 ein eingetragener Verein. Seither haben wir 32 Überlebende interviewt, von denen 13 Überlebensgeschichten auf unserer Webseite und 3 als Magazine veröffentlicht wurden, und 1 Film über die besondere Freundschaft zwischen Siegmund Pluznik, Schoah-Überlebender, und Carlo Lietz, ehemaliger Wehrmachtssoldat und Deserteur, gedreht. Wir haben unsere Wanderausstellung an verschiedensten Orten präsentiert, unter anderem im Landtag NRW und im Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten, und 1 Ausstellungskatalog publiziert.

Wir waren an ca. 130 Schulen und haben dort, aber auch in unserer Ausstellung insgesamt viele Kinder und Jugendliche erreicht und 3.500 Briefe an die Überlebenden erhalten.

All das ist nur mithilfe all der ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen möglich. Zurzeit (Stand: Juni 2019) engagieren sich ca. 120 Ehrenamtliche für HEIMATSUCHER e.V.. Der Verein zählt außerdem zusätzlich mehr als 170 Mitglieder.

Was ist HEIMATSUCHER?

Wir von HEIMATSUCHER e.V. interviewen Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentieren ihre Geschichten und erzählen sie dann in Schulklassen und unserer Ausstellung weiter. Der Überlebende Elie Wiesel sagte einmal: »Jeder der heute einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst ein Zeuge werden.« Und so sehen wir unseren Auftrag darin, als »Zweitzeug*innen«, (junge) Menschen stark gegen jegliche Art von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu machen. HEIMATSUCHER e.V. ist laut § 78 SGB VIII anerkannter Träger der freien Jugendhilfe.

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