Zu Besuch in Amsterdam oder ein Diskurs über Käsekuchen

Ich stehe morgens eigentlich nicht gerne früh auf, aber auf diesen Tag habe ich mich gefreut. Eine gemeinsame Fahrt mit Anja und Jenny nach Amsterdam zu Eva Weyl und Micha Schliesser steht an. Beide sind Überlebende der Lagers Westerbork. Sie waren im Kindes- bzw. Jugendalter, als sie die schrecklichen Taten der Nationalsozialisten erlebt haben.

Mit Blumen für Eva und Käsekuchen für Micha im Gepäck treffen wir gemeinsam mit Sari die beiden Freunde in Evas Wohnung. Ihre Vertrautheit und ihr Umgang miteinander macht Spaß, wobei sich Micha, den ein oder anderen frechen Spruch nicht entgehen lässt.

Eva hatte uns im Vorfeld gebeichtet, dass Micha für Käsekuchen töten würde. Umso gespannter war ich, als Micha, der sich als kritischer Käsekuchen-Koster herausstellte, meinen selbstgebackenen Kuchen kostete. Er habe schon viele Käsekuchen gegessen. Erst letzte Woche habe er einen fürchterlichen Kuchen geschenkt bekommen. Doch ich scheine die Prüfung bestanden zu haben: Der Kuchen schmeckt!

Vielmehr jedoch freute ich mich über Michas Offenheit und seine Einladung, Zeugen seiner Geschichte zu werden. Mir erscheint es unvorstellbar, die Selbstverständlichkeiten einer Kindheit nicht erleben zu können: Spielzeug zu haben, Süßigkeiten zu essen, die Welt zu entdecken. Dies alles blieb Micha in seiner Kindheit verwehrt. Trotz seiner schlimmen Erfahrungen habe ich Micha als einen sehr schlagfertigen, humorvollen, witzigen und optimistischen Menschen erlebt, der keine Diskussion scheut.

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